von Rolf-Herbert Peters und Martin Schlak
18.11.2021, 09:16 Uhr

Die neue Regierung muss für sieben neue Windräder pro Tag sorgen. Das hat ein stern-Expertenbeirat herausgearbeitet. Nur mit ihnen kann Deutschland seine Klimaziele erreichen. Das kann durchaus gelingen.

Sieben. Diese Zahl hat Frank Brösse viele Jahre in Atem gehalten. Der Manager hockt in 140 Meter Höhe auf einem Windrad. Sein Blick schweift über den Münsterwald. Ein wackeliger Aufzug im Stahlturm hat ihn hinaufgehievt. Sein Elektro-SUV am Boden wirkt nur noch daumengroß. Sieben solcher Anlagen hat der Geschäftsführer der Aachener Stawag Energie GmbH in dem Forst südlich der Domstadt bauen lassen. Elf nervenraubende Jahre hat das gedauert. An diesem Novembertag wirkt alles versöhnlich. Die Sonne strahlt auf die 54 Meter langen Flügel, die sich gelassen in der kalten Brise drehen. Der Windpark ist eine Etappe zu dem anspruchsvollen Ziel, das der 54-Jährige sich gesetzt hat: „2030 wollen wir Aachen komplett mit klimaneutraler Energie versorgen.“

Sieben. Diese Zahl muss künftig ganz Deutschland beschäftigen. Denn der Staat muss für den Bau so vieler Windräder ab sofort sorgen – und zwar jeden Tag. Sonst kann er die Selbstverpflichtung, die er 2015 auf der Pariser Klimakonferenz abgegeben hat, niemals erfüllen, nämlich nach Kräften mitzuhelfen, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten.

Tatsächlich durchlebt die Republik gerade eher eine Energiewende rückwärts. Im windarmen ersten Halbjahr 2021 wurde überraschend wieder mehr Strom aus Kohle gewonnen als aus Wind. Ein Grund: Mit nur rund 31 100 Anlagen, die am Netz sind, lassen sich Flautezeiten nicht meistern. Der Ausbau stockt seit Jahren. 2020 wurde statistisch nur gut ein Windrad pro Tag erbaut. 2021 wird ähnlich mau. Auf See ist der Zubau komplett eingeschlafen.

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