Eigentlich war alles wie bei einer ganz normalen Miss-Wahl. Die zehn Finalistinnen von ursprünglich Hunderten von Bewerberinnen um den Titel wurden aufwendig frisiert, von Stylisten geschminkt und für ihren großen Auftritt auf der Bühne des Friends of Zion Museums in Jerusalem vorbereitet. Im glitzernden silberfarbenen Kleid und mit einer Krone auf dem Kopf nahm Salina Steinfeld dann nach ihrem Sieg am Dienstagabend (16.11.2021) in Jerusalem freudestrahlend die Gratulationen entgegen. „Mir fehlen die Worte, um mein Glück auszudrücken“, bekannte sie gerührt.

Kritik am Event 

Solche Freudebekundungen kennt man auch von anderen Miss-Wahlen, doch der Titel, den Salina Steinfeld jetzt trägt, klingt in vielen Ohren befremdlich: „Miss Holocaust Survivor“ – eine Überlebende des Holocausts als Schönheitskönigin? Wie passt das zum Gedenken an sechs Millionen ermordete Juden? Als der Wettbewerb 2012 ins Leben gerufen wurde, bemängelte laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ damals Colette Avital, die Vorsitzende der Dachorganisation für Holocaust-Überlebende in Israel, die Frauen würden für eine „nicht würdevolle, effekthascherische Veranstaltung ausgenutzt“. Das Ganze sei grotesk.

Organisatoren wollen Überlebenden Freude schenken

Doch die Organisatoren sehen das anders. Der Wettbewerb wird von der in der Hafenstadt Haifa ansässigen Stiftung „Yad Ezer L’Haver“ gesponsert, die sich um Überlebende des Holocaust kümmert. Ziel sei es, „einer schwindenden Anzahl jüdischer Frauen Glanz und Respekt zu verleihen, deren Jugend während des Zweiten Weltkriegs gestohlen wurde – die sich dann aber in Israel ein neues Leben aufgebaut haben“.

So sah es auch die erste Siegerin der Miss-Wahl, Chava Herschkovitz: „Ich habe einfach Angst, dass man unsere Geschichten vergisst, wenn wir bald nicht mehr leben“, sagte sie damals. Ergänzend hieß es seitens der Veranstalter: „Wir wollen den Heldinnen, die den Holocaust überlebt haben, einfach nur Freude bringen.“

Die…