Wenn die Kinder und Jugendlichen zu Sandro Soares‘ kostenlosem Skate-Unterricht kommen, klopfen sie meistens mit ihren Skateboards an sein Tor. Seit Juni bietet Soares – von den meisten nur „Testinha“ genannt – wieder mehrmals die Woche Trainings an, nachdem sie wegen der Corona-Pandemie viele Monate ausgefallen waren.

Unterstützung bekommt der 43-Jährige von seiner Frau Leila, die Pädagogin ist. Bevor die Gruppe zusammen zum nahe gelegenen Sportplatz läuft, verteilt das Paar oft Snacks und Getränke – eine wichtige Stärkung vor dem Sport. Am Sportplatz angekommen, werden erst einmal kleine Rampen und andere Hindernisse aufgestellt, die Kinder wärmen sich auf. Dann verteilen sich die mehr und die weniger erfahrenen Skaterinnen und Skater auf verschiedene Seiten des Platzes – und los geht’s. 

Sandro Soares „Testinha“

2011, als Sandro und Leila die spendenfinanzierte Nichtregierungsorganisation „Social Skate“ gerade gegründet hatten und einen geeigneten Standort für den Unterricht suchten, war der Sportplatz nur ein heruntergekommener Ort, an dem Drogendealer herumhingen. Doch „mit dem Skateboard unter dem Arm“ habe er sich ein Herz gefasst und die Dealer angesprochen, erzählt Testinha. „Ich habe ihnen angeboten, dass auch ihre eigenen Kinder hier umsonst skaten lernen können. Das hat sie wohl überzeugt.“ Sie willigten ein, dort keine Drogen mehr zu verkaufen.

Skateboarding als Präventionsarbeit 

Sozial benachteiligten Kindern umsonst das Skaten beibringen, das ist die Grundidee von „Social Skate“. „Es gibt ansonsten in der Gegend kaum kostenlose Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche“, klagt Testinha. Dabei seien die dringend notwendig, denn einen bezahlten Sport- oder etwa Musikunterricht für den Nachwuchs könne sich hier, im ärmlichen Viertel Calmon Viana, kaum jemand leisten. Calmon Viana gehört zu Poá, einer Kleinstadt in der Metropolregion São Paulo. 

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