Warschau
94-jährige Antifa-Seniorin kämpft gegen Rechtsextreme: „Halt die Klappe, du Idiot!“

Die Nazis hielten Wanda Traczyk-Stawska gefangen, bis sie 1945 von polnischen Truppen aus dem Lager Oberlangen befreit wurde. Nach dem Krieg arbeitete sie als Lehrerin in einem Zentrum für behinderte Kinder. Ihren Kampfgeist als Antifaschistin bewahrte sie sich. 

© Wojtek Radwanski / AFP

Nicht nur der zunehmende Nationalismus, sondern auch der Umgang mit den Flüchtlingen an der Grenze zwischen Polen und Belarus bereitet Wanda Traczyk-Stawska Sorgen.

„Halt die Klappe, du Idiot! Dreckiger Tyrann“, ruft die kleine alte Dame ins Mikrofon. Sie beschimpft die Rechtsextremen, die eine Pro-EU-Demonstration in Warschau stören. Wanda Traczyk-Stawska scheut keine Auseinandersetzung, auch mit 94 Jahren nicht. Vor 80 Jahren kämpfte sie gegen die Nazis, heute setzt sie sich für den Verbleib Polens in der EU und für Flüchtlinge ein.

Bei der Demonstration im Oktober gingen Zehntausende für die Europäische Union auf die Straße, nachdem das polnische Verfassungsgericht den Vorrang des EU-Rechts vor nationalem Recht in Frage gestellt hatte. Ganz vorn mit dabei: die zierliche Wanda Traczyk-Stawska, mit Militärbarett auf dem Kopf und der Armbinde der einstigen Widerstandskämpfer gegen die Nazis.

Zweiter Weltkrieg
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Wachablösung am gewaltigen Denkmal der Schlacht. 

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Als Pfadfinderin im Widerstand

„Ich bin Soldatin, ich nehme kein Blatt vor dem Mund“, sagt Traczyk-Stawska später bei einer Tasse Tee in ihrem Haus am Stadtrand von Warschau. Vor dem Eingang wehen eine polnische und eine EU-Flagge.

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