Jedes Jahr am 15. November, dem „Writers in Prison Day“, macht der in London ansässige PEN International auf die Schicksale inhaftierter oder verfolgter Autoren aufmerksam. Erinnert wird auch an solche, die sterben mussten, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnahmen.

Erneut wählte die Schriftstellervereinigung Fälle aus, die beispielhaft für die Unterdrückung stehen. Mit seiner „Caselist“ macht der PEN besonders auf die Schicksale der vier inhaftierten Autorinnen und Autoren Rahile Dawut (China/Xinjiang), Selahattin Demirtaş (Türkei), Mohamed Al-Roken (Vereinigte Arabische Emirate) sowie Maykel Osorbo (Kuba) aufmerksam. ″Weltweit ist die Bedrohung von Autoren und Schriftstellerinnen leider nicht weniger geworden“, erklärte Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN. ″Mit großer Sorge beobachten wir die Situation in all jenen Ländern, in denen die Meinungsfreiheit unterdrückt und Intellektuelle inhaftiert werden.“

Düsteres Bild der Meinungsfreiheit

Selahattin Demirtas ist ehemaliger stellvertretender HDP-Vorsitzender

Nach Recherchen des PEN zur uigurischen Minderheit wurde die Wissenschaftlerin Rahile Dawut mutmaßlich in der Volksrepublik China interniert. Der türkische Politiker, Rechtsanwalt und Schriftsteller Selahattin Demirtaş sitzt seit 2016 hinter Gittern. In einem Verfahren wurde er wegen sogenannter Terrorpropaganda zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Weitere Verfahren gegen Demirtaş, der Ehrenmitglied des deutschen PEN ist, sind anhängig.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten sitzt der Menschenrechtsanwalt Mohammed Al-Roken seit 2012 im Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, er habe eine geheime Organisation gegründet, um die Regierung zu stürzen. Der kubanische Rapper Maykel Osorbo ist seit Mai 2021 unter dem Vorwurf der „öffentlichen Unruhe“ und „Widerstandes gegen Polizeibeamte“ im Pinar del Río-Gefängnis inhaftiert.

Die Lage für Schriftstellerinnen und…