Bei der Parlamentswahl in Bulgarien könnte die neue Zentrums-Partei „Wir setzen den Wandel fort“ (PP) aus dem Stand Platz eins erobern. Nach Auszählung von knapp der Hälfte der Stimmen liegt die PP bei etwa 26 Prozent der Stimmen. Dicht dahinter mit 23 bis 24 Prozent folgt die Mitte-Rechts-Partei GERB des langjährigen Ministerpräsidenten Bojko Borissow.

Bulgarien sei „auf einem neuen Weg“, sagte PP-Chef Kiril Petkow. Er wolle eine funktionierende Regierung bilden. Dabei sei er offen für Dialog und Kompromisse. Allerdings halte er an Justizreformen und einer Eindämmung der Korruption fest, erklärte der Absolvent der US-Eliteuniversität Harvard. Eine Zusammenarbeit mit Borissows GERB und der Türkenpartei DPS schloss Petkow aus.

Nach massiven Anti-Korruptions-Protesten im vergangenen Jahr und zahlreichen Enthüllungen über Missbrauch öffentlicher Gelder gilt der Ex-Ministerpräsident und Wahlzweite Borissow für die meisten anderen Parteien als inakzeptabler Partner.

Dritte Wahl in einem Jahr

Die dritte Parlamentswahl innerhalb eines Jahres wurde notwendig, weil die erst im Juli neu gewählten Abgeordneten abermals keine regierungsfähige Mehrheit zustande brachten. Nun könnten insgesamt sieben Parteien ins Parlament in Sofia einziehen. Unter ihnen dürfte die nationalistische Partei Wasraschdane (Wiedergeburt) sein, die die Corona-Maßnahmen der Regierung ablehnt.

Stimmabgabe in Bulgarien: Die Wahlbeteiligung fällt auf ein Rekordtief

Gleichzeitig mit dem Parlament wurde auch der Präsident gewählt. Amtsinhaber Rumen Radew geht mit knapp 50 Prozent der Stimmen als Favorit in die Stichwahl in einer Woche. Gegenkandidat wird der Zweitplatzierte Anastas Gerdschikow, der 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Der frühere Kampfpilot und Luftwaffenchef Radew wurde von den Sozialisten (den früheren Kommunisten) und Protestparteien unterstützt. Der Rektor der Universität Sofia, Gerdschikow, trat als unabhängiger Kandidat an, wurde aber von…