„Wir führen den Wandel fort“ (PP) – so heißt eine neue Partei in Bulgarien, die erst im September gegründet wurde und nach der Parlamentswahl an diesem Sonntag für die Überraschung sorgt. Drei Meinungsforschungsinstitute sahen am Sonntagabend die PP bei gut 26 Prozent der Stimmen. Sie liefert sich damit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der bürgerlichen GERB-Partei des im April abgewählten Regierungschefs Boiko Borissow. Die GERB dürfte mit rund 23 Prozent der Stimmen auf Platz zwei kommen.

Insgesamt sieben Parteien könnten den Prognosen zufolge ins Parlament in Sofia einziehen. Unter ihnen dürfte die nationalistische und Corona-leugnende Partei Wasraschdane („Wiedergeburt“) sein. Mit amtlichen Zwischenergebnissen ist bis zum Montagmorgen nicht zu rechnen.

Dritte Wahl in einem Jahr

Die dritte Parlamentswahl innerhalb eines Jahres wurde notwendig, weil die erst im Juli neugewählten Abgeordneten wieder keine regierungsfähige Mehrheit zustande brachten. Nun schlage Bulgarien einen neuen Weg ein, sagte der PP-Co-Vorsitzende Kiril Petkow in der Wahlnacht. Er hatte die Partei gemeinsam mit Assen Wassilew im September gegründet. Beide PP-Vorsitzenden sind ursprünglich Geschäftsleute und hatten in diesem Jahr kurzzeitig in einer Übergangsregierung als Minister gedient.

PP-Co-Chef Petkow: „Bulgarien schlägt neuen Weg ein“

Petkow, Absolvent der US-Eliteuniversität Harvard, stellte eine Koalitionsregierung um die neue Partei in Aussicht. Das als am schwersten von Korruption betroffen geltende Land in der EU brauche jetzt „eine normale, funktionierende Regierung“, hatte der 41-Jährige zuvor am Wahltag gesagt. Seine Bewegung sei bereit, mit allen Parteien zusammenzuarbeiten, die der Korruption den Kampf ansagten. Eine Zusammenarbeit mit Borissows GERB und der Türkenpartei DPS schloss er aus.

Nach massiven Anti-Korruptionsprotesten im vergangenen Jahr und zahlreichen Enthüllungen über Missbrauch öffentlicher Gelder gilt der Ex-Ministerpräsident und Wahlzweite Borissow für…