Über einhundert afghanische Musikstudenten und einige ihrer Familienmitglieder sind in Sicherheit. Anfang Oktober wurden sie nach Portugal ausgeflogen und erhielten dort Asyl. Bis zur Machtübernahme durch die Taliban  studierten sie am 2010 gegründeten „Afghanistan National Institute for Music“ (ANIM) in Kabul. Während die rund einhundert in Portugal aufgenommenen Musikerinnen und Musiker in Sicherheit sind, sehen jene, die sich derzeit weiterhin in Afghanistan aufhalten, einer unsicheren Zukunft entgegen.

Sie bangten um ihr Leben, sagt Tiago de Oliveira Pinto, Inhaber des Lehrstuhls für „Transcultural Music Studies“ an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Die Taliban hätten der Musik den Kampf angesagt. „Aber die musikalische Tradition eines Landes kann man natürlich nicht so einfach zerstören. Dazu wäre es nötig, alle diejenigen zu töten, die diese Kultur am Leben halten, eben auch die Musiker.

Der Sänger und Ghichak-Spieler Fawad Andarabi – Opfer fanatischer Taliban

Genau das fürchteten vor allem die bekannten Musiker des Landes, so Pinto. „Sie sind im Land sehr bekannt, jeder kennt sie. Darum verstecken sie sich.“ Er erhalte immer wieder Berichte, dass einzelne Personen aus den Häuser herausgeholt würden und dann verschwänden. „Entsprechend groß ist die Angst“.

Mord und Vandalismus

Pinto erinnert an den populären Sänger Fawad Andarabi. Wenige Tage nach ihrer Machtübernahme suchten Taliban-Kämpfer ihn in seinem Haus auf, entführten und erschossen ihn. Solche Verbrechen lähmten das musikalische Leben des Landes. „Im Augenblick wird in Afghanistan in keiner Weise Musik betrieben. Auch im privaten Raum vermeidet man das. Selbst Musik zu hören, ist verboten. Denn selbst wenn man nur auf dem Handy Musik hört, kann man Probleme bekommen.“

Professionelle afghanische Musiker in ihrem Studio in Kandahar im Juni 2021 – kurz vor der Machtübernahme der Taliban

Das Nationale Musikinstitut ist Medienberichten zufolge derzeit verwaist. Die…