Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Volkstrauertag eine stärkere Auseinandersetzung der Gesellschaft mit der Bundeswehr als Parlamentsarmee angemahnt. In einer Gedenkstunde im Bundestag forderte er, „die Sprachlosigkeit vieler Teile der Gesellschaft gegenüber unserer Armee“ zu überwinden. „Das ist der Auftrag des heutigen Tages“, sagte er in der Gedenkstunde. Die Verantwortung vor der deutschen Geschichte anzunehmen dürfe nicht bedeuten, „die Auseinandersetzung mit den Konflikten der Gegenwart zu scheuen und mit denen, die darin schwere und schwerste Verantwortung tragen“.

Das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Armee werde von der Erfahrung zweier Weltkriege, Schuld und Scham geprägt, betonte Steinmeier. Die Bundeswehr stehe als Parlamentsarmee unverrückbar auf dem Boden der demokratischen Verfassung. Man spreche gerne von den Soldatinnen und Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“, sagte der Bundespräsident. Aber wenn diese Soldaten geehrt werden sollten wie kürzlich vor dem Reichstag, dann sähen viele Bürger sie „am Ende doch lieber in Zivil gekleidet und ohne Fackel in der Hand“.

Mitte Oktober hatten Bundestag und Bundesregierung die insgesamt etwa 90.000 im kürzlich beendeten Afghanistan-Einsatz eingesetzten Männer und Frauen der Bundeswehr mit einem Großen Zapfenstreich gewürdigt, dem höchsten militärischen Zeremoniell der deutschen Streitkräfte. Die Bilder von Soldaten mit Fackeln vor dem Reichstagsgebäude hatten im Netz teilweise Befremdung und Kritik ausgelöst. Eine Reihe von Twitter-Nutzern fühlte sich an die NS-Zeit erinnert.

Militärische Rituale als Störfaktor

Viele Deutsche empfänden Unbehagen vor militärischen Ritualen, sagte der Bundespräsident nun. „Sie wollen nicht daran erinnert werden, was der Einsatz einer Armee, auch der Bundeswehr, bedeutet. Tod und Trauma, deutsche Soldaten im bewaffneten Einsatz, in fremden Ländern – das verdrängen wir Deutsche gern.“

Wolfgang Schneiderhan, Präsident des Volksbundes Deutsche…