In der Sekunde der Entscheidung konnte sich auch der sonst eher beherrschte Toto Wolff nicht mehr zurückhalten. Den Motorsportchef von Mercedes hielt es in der Box kaum auf seinem Sitz. Mit weit aufgerissenen Augen und ausgestrecktem Zeigefinger jubelte er wütend in die auf ihn gerichtete Fernsehkamera. Was war passiert? Der 49-jährige Österreicher hatte soeben nichts anders als die Entscheidung des Großen Preises von Sao Paulo miterlebt – in der 59. von 71 Runden, zugunsten seines Schützlings Lewis Hamilton.

Schon seit einiger Zeit lag Hamilton zu diesem Zeitpunkt des Rennes direkt hinter seinem ärgsten Konkurrenten um den Weltmeistertitel, den aktuellen WM-Führenden Max Verstappen. Einen Überholversuch des Briten hatte der Niederländer abgewehrt, indem er ihm außen kompromisslos keinen Platz ließ und spät bremste, so dass beide Boliden von der Strecke mussten und auf die asphaltierte Auslaufzone ausritten. Zwar prüfte die Rennleitung den Zwischenfall, verzichtete zum großen Ärger der Mercedes-Verantwortlichen aber auf die Verhängung einer Zeitstrafe gegen Verstappen.

Auch deswegen entlud sich der Frust von Toto Wolff in Form des wütend gereckten Zeigefingers. „Das war ein Gruß an den Rennleiter“, sagte er, immer noch brodelnd, am Sky-Mikrofon. „Das können wir so nicht auf uns sitzen lassen. Da werden Entscheidungen getroffen, die nicht nachvollziehbar sind. Irgendwo sind Grenzen.“

Schließlich aber hatte der Red Bull keine Chance gegen den von hinten heranrauschenden Mercedes. Hamilton zog vorbei und legte schnell mehrere Sekunden zwischen sich und Verstappen.

Schwarzes Wochenende mit goldenem Schluss

„Vor dem Wochenende hätte ich nicht gedacht, das wir die Lücke auf Red Bull so schließen könnten, wie wir es gemacht haben“, sagte Hamilton im Siegerinterview. „Das zeigt, dass man nie aufhören darf zu pushen und zu kämpfen.“ Tatsächlich war das Wochenende in Brasilien für Mercedes und Hamilton zunächst überhaupt nicht nach Wunsch gelaufen. Zwei…