von Niels Kruse
13.11.2021, 08:05 Uhr

Das Flüchtlingsdrama an der polnisch-belarussischen Grenze ist ein Knoten aus menschlicher Not, moralischem Dilemma und politischen Zynismus. Wie lässt er sich zerschlagen? Drei Szenarien.

Wie man Flüchtlinge als Waffen einsetzt, macht schon seit längerem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor. 2016 hatte der sich bereit erklärt, sich um Abertausende von Syrern zu kümmern, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat fliehen. Sprich, sie von der EU fernzuhalten. Das ging lange gut, doch irgendwann drohte der Staatschef damit, die Grenzen Richtung Griechenland für die Migranten zu öffnen – wissend um die Zwickmühle, in die die neuen Migrantenströme die europäischen Länder bringen würden. Nun ist es der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko, der das Leben von Flüchtlingen als politisches Faustpfand nutzt.

Polen will sich nicht erpressen lassen

Seit Wochen sammeln sich an der Grenze von Belarus zu Polen Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, in der Hoffnung auf Asyl in der EU. Doch die Warschauer Regierung macht im wahrsten Sinn dicht. Zum einen verfolgt sie schon lange einen strikten Anti-Einwanderungskurs, zum anderen will sie sich nicht vom Nachbarregime in Minsk erpressen lassen. Folge: Mindestens 2000 Menschen verharren bei eisigen Temperaturen mehr oder weniger schutzlos und ohne Unterkunft im Grenzgebiet auf belarussischer Seite, mehrere Menschen sind bereits erfroren. Belarussische Sicherheitskräfte drängen die Flüchtlinge Richtung Stacheldraht, den die Polen errichtet haben. Polnische Sicherheitskräfte wiederum drängen Migranten und Migrantinnen rüde zurück, sobald sie EU-Gebiet betreten – auch wenn diese „Push-Backs“ illegal sind.

Wie also soll dieser Knoten aus Not, Politik und Zynismus zerschlagen werden?

Die Rolle von Belarus

„Wir…