Kolumne: Hier spricht der Boomer
Kein links, kein rechts, keine Querdenker: Willkommen auf der Demonstration der Normalos

Unser Autor Frank Schmiechen war auf einer Demonstration. Diese unterschied sich aber von den vielen anderen, die man sonst kennt. 

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Unser Autor hat sich in diesen schwierigen Tagen auf eine Demonstration gewagt. Das ist ansonsten gar nicht seine Art. Aber diese Demo war anders als die anderen. Sie war eine Versammlung von Menschen, die sonst nicht so oft auf die Straße gehen. 

Von Frank Schmiechen

Ich war auf der Demonstration der Normalbürger und Langweiler. Im Schutz der einsetzenden Dunkelheit hatten sich mit mir ungefähr 300 Menschen auf die Straße gewagt. Es wurden Lieder gesungen und Leuchtmittel eingesetzt. Die Polizei sorgte für einen geordneten Ablauf und sperrte die Straßen entlang der Demo-Strecke. Ein berittener Soldat führte den Zug an. Zu Handgreiflichkeiten kam es nicht.

Dicht an dicht waren hier Menschen unterwegs, die sonst nur selten auf Demos unterwegs sind. Die Gespräche drehten sich ausnahmsweise mal nicht um die Sondierungsgespräche der Ampel-Koalition oder Gendersprache, sondern darum, dass es morgens so spät hell wird – und abends so schnell wieder dunkel.

Menschen halten sich an Regeln, weil es das Leben erleichtert

Bei der stimmungsvollen Abschlusskundgebung vor einer Kirche gab es Gebäck, das geteilt werden sollte. Alles coronagerecht natürlich. Während der Ansprache wurden die leisen Gespräche eingestellt. Man war aufmerksam. Es war eine Demo der Menschen, die sich an Regeln halten. Weil sie wissen, dass Regeln das ganz normale Leben erleichtern. Wenn sich jeder dran hält.

Es ist eigentlich ein Wunder, dass noch niemand meiner Mitdemonstranten und mich für die steigenden Corona-Zahlen verantwortlich gemacht hat. Bis…