Weite Baumwollfelder, freundliche Farmer, große Traktoren: Der israelische Blogger Raz Gal-Or zeigt in einem Video uigurische Bauern aus der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas. Er begleitet sie bei der Ernte, darf mal ans Steuer einer Landmaschine – und spricht mit ihnen auch über die Arbeitsbedingungen. „Viele sagen, dass die Konditionen hier schlecht wären, dass Menschen gezwungen werden zu arbeiten. Einige Firmen wollen deswegen keine Baumwolle aus Xinjiang kaufen und verkaufen“, so der Blogger zu zwei Farmern. „Das ist Blödsinn, schau dich um, alles ist normal hier. Es gibt keine Zwangsarbeit“, antwortet einer. „Dann verstehe ich nicht, dass so etwas behauptet wird“, antwortet Raz-Gal-Or, und gemeinsam lachen die Männer herzlich. 

Videos über „das wahre China“

Doch Menschenrechtsorganisationen berichten Gegenteiliges: Sie sprechen von Umerziehungslagern, in denen Uiguren mit teils brutalen Mitteln auf die Linie der kommunistischen Partei gebracht werden sollen. Die USA und andere Länder bezeichnen das Geschehen in der Region sogar als Völkermord. Die Regierung in Peking weist solche Vorwürfe zurück, lässt zugleich aber keine unabhängigen Untersuchungen zu. Sie nennt die Umerziehungslager „Berufsbildungseinrichtungen“, die von den Insassen freiwillig besucht würden, und wirft uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor.

Mit Beiträgen zur chinesischen Alltagskultur hat er seinen Blog einst angefangen, inzwischen thematisiert er auch aktuelle politische Themen wie die Proteste in Hongkong oder eben das Leben der Uiguren in Xinjiang. Oft werden seine Videos von chinesischen staatlichen Medien zitiert, weil sie aus deren Sicht „das wahre China“ zeigten.

Gal-Ors „Y-Platform“ ist überaus erfolgreich – mit insgesamt mehr als 100 Millionen Followern. Allein auf YouTube, das in China offiziell gesperrt ist, hat er mit dem Kanal „YChina“ – eine Anspielung auf Why China (übersetzt: „Wieso China“) – über 250.000 Abonnenten aus dem Ausland und…