Wenn es stimmt, was Notärzte und Klinikchefs aus den Krisenregionen der Corona-Pandemie hierzulande berichten, dann müssen Angehörige von Unfallopfern oder Herzinfarktpatienten bald auf Gott vertrauen, damit ihre Liebsten noch ein Bett in einer Intensivstation bekommen. Denn da liegen viele Corona-Patienten, die meisten sind nicht geimpft. Dass die COVID-Lage ernst ist, mag vielen nicht gefallen. Aber eine Diskussion darüber ist angesichts der aktuellen und für jeden nachprüfbaren Zahlen überflüssig.

Tischtennis mit Lauterbach

In dieser Lage halten es einige Fußballprofis, die sich Woche für Woche als Vorbilder in den Stadien feiern lassen, für angemessen, ihrem Beruf im grellen Flutlicht der Öffentlichkeit ungeimpft nachzugehen. Joshua Kimmich hätte nach seinem halb abgerungenen Statement, dass er noch Vorbehalte gegen eine Impfung habe, längst eine Intensivstation besuchen oder sich mit Frank-Ulrich Montgomery (Chef des Weltärztebundes) treffen können, mit Melanie Brinkmann (Virologin), Jens Spahn (geschäftsführender Minister), Christian Drosten (noch ein Virologe), Karl Mertens (Impfkommissionschef) oder Ugur Sahin (BionTech-Boss). Er hätte sich erklären lassen können, dass seine Vorbehalte gegen eine Impfung weltweit keine wissenschaftliche Grundlage haben. Und er hätte dann, meinetwegen auch nach einer Tasse Kaffee oder einer Partie Tischtennis mit dem SPD-Gesundheitsexperten und Mediziner Karl Lauterbach, überlegen können, welch desaströse Wirkung sein Verhalten auf die impfmüden Deutschen hat.

Marko Langer, DW-Sport

Sage mir keiner, es gehe mich nichts an, ob die von der Nationalelf entfernten Bayern-Profis Niklas Süle, Serge Gnabry oder Jamal Musiala immunisiert sind oder nicht. Ich will das als Journalist wissen, so wie jedes Restaurant, jeder Arbeitgeber oder jedes Krankenhaus mich als Besucher mit der größten Selbstverständlichkeit fragen darf, ob ich Impfschutz besitze – und mich bei fehlendem Nachweis vor der Tür stehen…