Nach der Bundestagswahl hatte der Sieger und künftige Kanzler Olaf Scholz lange zur Corona-Pandemie geschwiegen. Jetzt hat er sich im Bundestag geäußert. Doch bei seiner Rede wurde klar: Scholz bleibt Scholz.

Er wird sich nicht neu erfinden, das wird schnell klar, als Olaf Scholz, der wahrscheinlich künftige Bundeskanzler, am Donnerstag am Rednerpult des Bundestags steht. Scholz bleibt Scholz, stoisch und nüchtern wie eh und je. Es ist die erste große Rede des SPD-Politikers seit der gewonnenen Bundestagswahl, manche erwarteten so etwas wie eine kleine Regierungserklärung eines Noch-Nicht-Regierungschefs. Denn schon vor seiner möglichen Vereidigung steht der Vorwurf im Raum, der 63-Jährige drücke sich vor Verantwortung.

„Wo ist Olaf Scholz?“ Das fragten in den vergangenen Wochen nicht nur die Wahlverlierer aus der Union. 50.000 Corona-Neuinfektionen am Tag, die Intensivstationen laufen wieder voll und Deutschland, so erschien es manchem: führungslos. SPD, Grüne und FDP verwiesen darauf, dass die alte schwarz-rote Bundesregierung geschäftsführend weiter im Amt sei, drängende Fragen also regeln müsse. Außerdem müsse man die Parteipolitik aus der Pandemiebewältigung raushalten. Andere werteten das als Ausrede dafür, dass Scholz während der laufenden Koalitionsverhandlungen nicht eindeutig Haltung zeigen wolle.

Jetzt also eine Quasi-Regierungserklärung im Bundestag. „Das Virus ist noch unter uns“, sagt Scholz und Sätze wie: „Wir müssen gewissermaßen unser Land winterfest machen.“ Er bleibt sachlich, beschreibt die Ideen der Ampel-Fraktionen zur Bewältigung der sich zuspitzenden Krise: Am Arbeitsplatz soll man künftig nachweisen, dass man geimpft, genesen oder getestet ist. Unter anderem dafür sollen Schnelltests wieder kostenlos werden. Die Bundesregierung wirbt mit Nachdruck fürs Impfen – sowohl bei den bisher Unentschlossenen als auch bei all jenen, deren…