Der Film beginnt mit dem ohrenbetäubenden Krach einer Bombenexplosion, dann folgen Sirenengeheul und Stimmengewirr. Eine Szene später sind auf Kabuls belebten Straßen in den 1980er Jahren unverhüllte Frauen zu sehen. Eine Stimme aus dem Off sagt: „Mein Name ist Mir. Das ist meine Geschichte, und die Geschichte meines Landes.“

„My Childhood, My Country: 20 years in Afghanistan“ (deutsch: „Meine Kindheit, mein Land: 20 Jahre in Afghanistan”) lebt von Kontrasten. Regie führten der Brite Phil Grabsky aus Brighton und Shoaib Sharifi, der ursprünglich als Übersetzer bei dem Projekt angefangen hatte. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des jungen Afghanen Mir Hussein zwischen 2001 bis 2021.

Dreharbeiten in Afghanistan

Die Geschichte beginnt kurz vor den Vergeltungsschlägen der US-Amerikaner nach den Terroranschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York. Zwischen 1996 und 2001 führten die Taliban in Afghanistan ein strenges Sharia-orientiertes Regime: Frauen waren ohne Rechte, Schulen geschlossen. Das Rad der Entwicklung in Afghanistan dreht sich rückwärts.

Phil Grabsky, ein erfahrener britischer Dokumentarfilmer der BBC, fuhr nach Afghanistan, um sich selbst ein Bild zu machen. „Ich wollte nach Afghanistan und sehen, was das für Menschen sind. Die Männer können nicht alle bärtige Terroristen sein, und die Frauen nicht alle stumme Burkaträgerinnen”, so der Regisseur.

Mit einer unauffälligen Handycam im Gepäck, erinnert sich Grabsky bei einem Podiumsgespräch auf dem Cologne Film Festival im Oktober 2021, sei er losgefahren.

Eine zukunftsweisende Geschichte

„Ich wusste noch nicht, welche Story herauskommen werden würde“, erzählte Grabsky, der sich einem UNO-Konvoi anschloss, um im Bamiyan-Talzu drehen. Von einem Journalisten-Kollegen hatte er gehört, dass Menschen in den Höhlen von Bamiyan lebten. Er habe geplant, einen Mann zu finden, dessen Geschichte er erzählen wollte.

Direktor Phil Grabsky (Mitte) auf dem Filmfest…