Verteilungsbericht des WSI
Pandemie löchert den Geldbeutel – ärmere Haushalte besonders von Einkommenseinbußen betroffen

Schlange vor der Tafel: Die Pandemie hat die finanzielle Situation ärmerer Haushalte dramatisch verschärft.

© Sven Hoppe / DPA

Bereits zu Beginn des Jahrtausends wuchs die soziale Ungleichheit. Die Pandemie hat dieses Problem nun verschärft: Insbesondere Haushalte der unteren Mittelschicht und ärmere Haushalte verloren laut einem Bericht über 50 Prozent ihres Gehalts.

Die Corona-Pandemie könnte einem Jahrzehnt zunehmender Stabilität und gefühlter Sicherheit in der deutschen Mittelschicht ein Ende bereitet haben. Laut dem am Mittwoch vorgestellten Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung berichtet rund die Hälfte der Mittelschicht von Einkommensverlusten durch die Pandemie. Ärmere Haushalte waren demnach besonders häufig von pandemiebedingten Einkommensverlusten betroffen. Dies könne zu zunehmender sozialer Ungleichheit führen, warnte das WSI.

In den vergangenen gut 20 Jahren zeigte sich mit Blick auf die Einkommensungleichheit demnach ein gemischter aber zuletzt positiver Trend: So stieg die Ungleichheit zu Beginn der 2000er Jahre deutlich an und stagnierte dann auf hohem Niveau. Bis Mitte der 2010er Jahre erreichte die Ungleichheit neue Höchstwerte, ab 2017 nahm sie wieder etwas ab. Das Fazit der Studienautoren: Trotz zunehmender Globalisierung geriet die Mittelschicht, definiert als Haushalte mit einem Einkommen zwischen 1500 und 3500 Euro monatlich, nicht zusätzlich unter Druck.

Diese Entwicklung spiegelte sich neben einer immer besseren Arbeitsmarktlage auch in den Sorgen und Ängsten der Mittelschicht wider: Zwischen 2010 und 2019 halbierte sich die Anzahl der Menschen, die sich Sorgen um den Verlust ihres Arbeitsplatzes machten,…