Sechs einheimische Beschäftigte seien inzwischen freigelassen worden, sagte ein UN-Sprecher in New York. Aber 16 Personen seien noch immer in Gewahrsam. Es sei „zwingend erforderlich, dass sie freigegeben werden“. Die Festnahmen erfolgten offenbar im Zusammenhang mit dem Vorgehen von Sicherheitskräften in der Hauptstadt Addis Abeba gegen Angehörige der Volksgruppe der Tigray.

Der UN-Sprecher wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, ob es sich bei den Festgenommenen um UN-Beschäftigte aus der Region Tigray handelt. „Sie sind Äthiopier. Sie sind UN-Mitarbeiter, und wir möchten, dass sie freigelassen werden – unabhängig davon, welche ethnische Zugehörigkeit in ihren Personalausweisen steht.“

Das US-Außenministerium verurteilte mit Blick auf die UN-Mitarbeiter Festnahmen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit. „Schikanierung durch die Sicherheitskräfte und Festnahmen auf Grundlage der Ethnie sind vollkommen inakzeptabel“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Er verurteilte auch „Rache-Angriffe“ der Volksbefreiungsfront von Tigray, TPLF. Anwälten zufolge wurden zuletzt tausende Angehörige der Tigray festgenommen.

Sieben UN-Mitarbeiter ausgewiesen

Im Konflikt zwischen der äthiopischen Zentralregierung und Rebellen aus dem Norden des Landes gibt es seit Monaten auch steigende Spannungen zwischen den Vereinten Nationen und der äthiopischen Führung von Regierungschef und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed. Vor einigen Wochen wurden in einer beispiellosen Aktion sieben UN-Mitarbeiter ausgewiesen. Generalsekretär António Guterres warf Äthiopien vor, damit gegen das Völkerrecht zu verstoßen.

Regierungschef Abiy Ahmed bei der Vereidigung zur zweiten Amtszeit im Oktober 2021

Der Konflikt mit der Volksbefreiungsfront von Tigray, der vor etwa einem Jahr begann, hat sich mittlerweile auf weitere Landesteile ausgeweitet. Gemeinsam mit Rebellen der Oromo Liberation Army (OLA) rückt die TPLF derzeit auf Addis Abeba vor. Mit knapp 115 Millionen Einwohnern ist Äthiopien…