Erinnern ist ein stetiger Prozess von Selektion. Was gehört erinnert, was kann vergessen werden? Und: Wer ist dafür zuständig? Wer entscheidet? Das Erinnern an den Holocaust ist Konsens der meisten EU-Länder, auch Österreich hat sich seit den 1990-er Jahren dieser Position angenähert – wenn auch unter erheblichen Krümmungen der rechtspopulistischen FPÖ, die von 2000 bis 2005 und 2017 bis 2019 Teil der Regierung war. 

Auch der Entschluss zu der jetzt der Öffentlichkeit zugänglichen Shoah Namensmauern Gedenkstätte fiel in diese Zeit: Im Dezember 2018 gab der Bundeskanzler Sebastian Kurz die Gelder für die Gedenkstätte frei, die Regierung schulterte den Hauptteil, Bundesländer und Spenden steuerten den Rest bei. Die Gedenkstätte ist im Ostarrichi-Park gelegen, zentral in Wien, wenn auch nicht in unmittelbarer Nähe des Parlaments.

Erinnern, gedenken, würdigen

Es ist nicht die erste Gedenkstätte in der österreichischen Hauptstadt Wien: Auf dem Judenplatz steht seit dem Jahr 2000 ein Mahnmal der britischen Künstlerin Rachel Whiteread, ein Beton-Quader, der eine Bibliothek andeutet, mit einer großen Anzahl nach außen gekehrten Büchern – stellvertretend für die 64.000 Lebensgeschichten, die in den Konzentrationslagern brutal beendet wurden. 

Das Mahnmal Aspangbahnhof wurde 2017 eröffnet. Stilisierte Bahngleise erinnern an die über 47.000 von hier Deportierten, von denen nur 1073 überlebten. In der zentralen Synagoge von Wien, dem Stadttempel, erinnern drehbare Schiefertafeln mit den Namen der Getöteten sowie eine abgebrochene Granitsäule an die Vernichtung durch die Nationalsozialisten. 

Say their names

Nun also ein neues Mahnmal: 160 Platten aus indischem Granit, jeweils über zwei Meter hoch, die zusammen eine Ellipse bilden. In der Mitte ein grünes Oval, das zum Innehalten einlädt. 

Die über 64.000 Namen wurden in jahrelanger Arbeit vom DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Wiederstands) zusammen getragen

Auf dem goldgelblichen, sehr…