Seit Monaten schwelt die Krise an der polnisch-belarussischen Grenze: Dort sind Tausende Geflüchtete unter menschenunwürdigen Bedingungen gestrandet. Vom belarussischen Diktator Lukaschenko werden sie als Druckmittel genutzt. Indem er sie nach Polen durchlässt, übt er Druck auf die benachbarte nationalistisch-polnische und migrationsfeindliche Regierung aus. Diese wiederum reagiert mit sogenannten „Push-Backs“, sie lässt nicht zu, dass Geflüchtete einen Asylantrag stellen können.

Nun haben sich die Literaturnobelpreisträgerinnen Elfriede Jelinek, Herta Müller, Swetlana Alexijewitsch und Olga Tokarczuk zu Wort gemeldet: In einem offenen Brief berichten sie von dem menschlichen Leid in der Grenzregion und sprechen von einer „humanitären Katastrophe“, die ein „gigantisches Ausmaß“ angenommen hätte. Die Schriftstellerinnen appellieren an die Europäische Union, die Krise an der EU-Außengrenze zu Belarus „möglichst schnell und effektiv zu lösen“ und fordern dazu auf, nicht wegzuschauen: „Lasst uns unseren Blick nicht von der Tragödie abwenden!“

Swetlana Alexijewtisch und Olga Tokarczuk stammen aus Belarus und Polen

Der offene Brief ist gleich an mehrere Institutionen in Brüssel adressiert: An Charles Michel, den Präsidenten des Europäische Rates, in dem sich alle Staats- und Regierungschefs der 27 Mitgliedstaaten versammeln. Außerdem an David Sassoli, den Präsidenten des Europäischen Parlaments, sowie an alle Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Veröffentlicht wurde er in der deutschen Tageszeitung „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Literaturnobelpreisträgerin 2018: Olga Tokarczuk

Jede der vier Schriftstellerinnen weist durch ihr Schaffen einen Bezug zur Region auf oder hat sich bereits vorher politisch engagiert. Die deutschsprachige Autorin Herta Müller wuchs unter der rumänischen Diktatur auf und verfasste unzählige Werke über die Konsequenzen der Schreckensherrschaft für das Land.

Ebenfalls auf Deutsch arbeitet die Autorin Elfriede…