Rat vom Jobcoach
Boreout: Soll ich dem Chef sagen, dass ich mich zu Tode langweile?

Diagnose Boreout: Auch Unterforderung kann zu Burnout-ähnlichem Stress führen

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Kann zu wenig Arbeit krank machen? Und darf man das zugeben? Jobcoach Reinhild Fürstenberg berichtet, was sie einem Beschäftigten rät, der vom Boreout-Syndrom betroffen ist.

Von Reinhild Fürstenberg

Herr S.*, 41 Jahre, arbeitet seit er aus der Schule ist, als Lagerist. Lange Jahre war es sein Traumjob, mit klar vorgegebenen Arbeitsabläufen, vielen Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierestufen. Seit einigen Jahren allerdings stagniert dieser Prozess. Im Rahmen einer Umstrukturierung wurde eine Kollegin eingestellt, die einen Teil seiner Aufgaben übernommen hat. Seitdem ist Herr S. nicht mehr ausgelastet und im Grunde ständig damit beschäftigt, so zu tun, also ob er genau das wäre. Je länger er das tut, desto weiter verstrickt er sich in ein tiefes Netz aus Scheinwahrheiten und das kostet Kraft. Wie kann er da wieder rauskommen?

Mittlerweile plagen Herrn S. Symptome, die ihn beim Googeln auf Burnout hinweisen: Er fühlt sich erschöpft und antriebslos. Er schläft schlecht, hat oft Kopfschmerzen und Schwindelgefühle und seit neuestem auch noch einen Tinnitus. Und er merkt, dass er sich bei seinem Chef oft krankmelden muss.

Der Verlauf des Boreout ähnelt ziemlich genau der Erschöpfungsspirale des Burnout-Syndroms, unterforderungsbedingter Stress ist damit genauso schädlich wie überforderungsbedingter Stress – egal, ob dieser positiv oder negativ motiviert ist. Herrn S. ist die Situation, in der er nun steckt, irgendwie peinlich: Er kann doch nicht sagen: „Ich bin so gelangweilt, das stresst mich total – es macht mich krank.“ Er, von dem doch alle wissen, wie arbeitsam und tüchtig er ist. 

Reinhild Fürstenberg ist…