Tausende Menschen sind am Samstag in ganz Polen auf die Straße gegangen. „Keine Einzige mehr – Marsch für Iza“, lautete die Parole der landesweiten Proteste. „Iza“ Izabela S. war vor einem Monat im Krankenhaus in Pszczyna in Südpolen an einer Blutvergiftung gestorben. Ihr Fall wurde erst in dieser Woche durch eine Anwältin der Familie publik gemacht. Schuld am Tod der jungen Frau sei das am Anfang des Jahres verschärfte Abtreibungsgesetz, sagen Kritiker der regierenden Nationalkonservativen.    

„Sound of Silence“ und Taschenlampen

In der Hauptstadt Warschau marschierten mehrere tausend Menschen vom Sitz des Verfassungsgerichts durch die Innenstadt zum Gesundheitsministerium. Die Teilnehmer trugen Porträts der Toten und Transparente. Bei einem Zwischenstopp auf dem Schlossplatz ertönte das Lied „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel. Tausende Taschenlampen leuchteten.   

Laut Organisatoren fanden solche Proteste in mehr als 70 Orten statt – sowohl in Großstädten wie Gdańsk (Danzig) oder Wrocław (Breslau) als auch in der polnischen Provinz. Auch in Pszczyna, wo die gestorbene Frau bis zu ihrem Tod wohne, wurde mit einem Schweigemarsch an sie erinnert.

In Lódź zogen Menschen zum Sitz der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Sie zündeten Grablichter an und skandierten Parolen gegen die polnische Rechte. „Ich bin ein Nichts, eine Sache, ich habe Angst“. sagte eine Frau. In Wrocław riefen die Teilnehmer an die Adresse der Regierung: „Ihr habt Blut an Händen.“

Tod im Krankenhaus

Izabela S. wurde in der 22. Wochen der Schwangerschaft nach Fruchtwasserverlust ins Krankenhaus gebracht. SMS-Nachrichten an ihre Mutter zeugen von der dramatischen Situation. „Sie (Ärzte) können nichts tun. Sie warten den Tod (des Kindes) ab oder warten, dass etwas (Missgeburt) beginnt, sonst muss ich die Sepsis befürchten. Das Herz muss aufhören zu schlagen oder etwas anderes (Missgeburt) muss beginnen.“  

In der Nacht wurde der Tod des Kindes festgestellt. Auf dem…