Marco Reus steht als BVB-Kapitän nach den Spielen seiner Mannschaft in Interviews sehr oft Rede und Antwort – dass er dabei wütend seinen Frust herauslässt, ist aber selten. Nach der 1:2-Niederlage bei RB Leipzig war es soweit: Reus war sauer – und jeder durfte auch gerne wissen, warum: Das System, mit dem Trainer Marco Rose die Schwarz-Gelben auf den Leipziger Rasen geschickt hatte, habe überhaupt nicht gepasst, so Reus. Eine Fünferkette in der Abwehr liege seiner Mannschaft nicht, erst mit der Umstellung auf eine Viererkette nach der Halbzeitpause sei es besser geworden. Soweit die Meinung des Kapitäns.

„Es ist keine Frage des Systems. Wir haben auch mit Dreierkette schon Punkte geholt. Die Diskussion erübrigt sich“, entgegnete wenig später Trainer Rose. Einig waren sich beide lediglich in dem Punkt, dass die vielen Verletzten kein Alibi für die Niederlage sein durften.

Besser, aber nie richtig gut

Andreas Sten-Ziemons

Wer hat also Recht? Reus oder Rose? Fakt ist – jenseits der Diskussion über Taktik – dass die BVB-Spieler nicht mit der richtigen Einstellung ins Spiel bei RB gegangen waren. Vor allem die erste Halbzeit war mau. Statt früh zu pressen, wurde dem jeweils ballführenden Leipziger eine Art freundlich-beobachtender Begleitschutz in gebührendem Sicherheitsabstand zuteil. So entstanden Räume, die schnelle und technisch starke RB-Spieler wie Christopher Nkunku gerne nutzten. Erst nach der bereits erwähnten Systemumstellung zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde es besser, aber nie richtig gut.

Hier müssen sich vor allem die Spieler an die eigene Nase fassen, was Reus tat, als er sagte: „Wir sind alle Bundesliga-Profis und spielen für Borussia Dortmund. Da haben wir schon den Anspruch, besser zu spielen.“ Das ehrt ihn, allerdings muss man auch fragen dürfen, wieso der Trainer der Mannschaft ein taktisches System verordnet, mit dem das Team sich nicht wohl fühlt, wenn ohnehin schon neun Spieler fehlen und man stark ersatzgeschwächt in ein…