DW: In Ihrem neuen Buch „Erfolgsformel Hip-Hop“ heißt es, dass sich laut Marktforschungsstudien fast die Hälfte der jungen Generation Z mit dieser Kultur identifiziert. Auch die Zusammenarbeit von Wirtschaftsunternehmen und Konzernen außerhalb der Musikbranche mit Künstlern aus dem Hip-Hop Bereich erreicht immer neue Dimensionen. Welche Beispiele fallen Ihnen spontan ein?

Tobias Kargoll: Es gab und gibt natürlich in 50 Jahren Hip-Hop eine Menge aufsehenerregende Themen: Beispielsweise wurde Kanye West mit seinem Sneaker-Brand Yeezy zum Milliardär. Das Schuh-Modell, das von Adidas produziert und vertrieben wird, erzielte alleine 2019 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar. Der Rapper Jay-Z gründete 1999 das Streetwear-Label Rocawear und stieß es 2007 für 200 Millionen US-Dollar wieder ab. Er besitzt mittlerweile namhafte Anteile an vielen internationalen Unternehmen. Die Hälfte seiner Champagnerfirma Armand de Brignac hat er 2021 an den Luxusmarken-Konzern LVMH verkauft.

Am erfolgreichsten als Geschäftsmann ist wohl der Rapper Dr. Dre, dessen Kopfhörer-Hersteller Beats Electronics 2014 für 3,2 Milliarden US-Dollar von Apple übernommen wurde. Da sind die fünf Millionen in Deutschland innerhalb eines Jahres verkauften Tiefkühlpizzen von Capital Bra fast schon Kleinkram. Sogar der Sportwagenhersteller Porsche hat im Frühjahr einen Reise- und Kulturführer über Hip-Hop in Europa vorgestellt. Das zeigt nochmal die ganze Bandbreite der Unternehmen, die am Hype um diese spezielle Kulturströmung teilhaben wollen.

Beats Kopfhörer für mehr als drei Milliarden Dollar an Apple verkauft

Warum bringt ausgerechnet diese Subkultur so viele erfolgreiche Unternehmer hervor und warum setzen viele Branchen auf Hip-Hop-Elemente?

Das Potenzial liegt darin, dass Hip-Hop eine sehr markenaffine Kultur ist. Man kommuniziert auch über Marken und Produkte. Hip-Hop ist das Kind einer kapitalistischen Gesellschaft, geboren in den 1970er Jahren in armen New Yorker Stadtteilen wie…