Ich treffe Dogan Akhanli 2019 in einem Berliner Café. Er sitzt vor einer Tasse Espresso und knabbert an einem Keks. Der türkischstämmige Schriftsteller ist ein literarischer und historischer Spurensucher. Seine Texte mäandern zwischen Fakten und Fiktion, zwischen Sprachen und Heimaten.

Dogan Akhanli engagiert sich schon früh politisch

Geboren wird Akhanli 1957 im Südosten der Türkei, in der Provinz Artvin nahe der georgischen Grenze. Mit zwölf Jahren wird er auf eine Schule nach Istanbul geschickt. Er studiert Geschichte und Pädagogik, engagiert sich politisch und wird Mitglied der verbotenen Revolutionären Kommunistischen Partei der Türkei (TDKP). Nach dem Militärputsch 1980 geht er in den Untergrund.

Im Mai 1985 werden er, seine Frau und sein 16 Monate alter Sohn verhaftet. Zwei Jahre sitzt er als politischer Häftling im Militärgefängnis von Istanbul, Frau und Kind werden nach einem Jahr entlassen. 1992 flieht Dogan Akhanli aus der Türkei und erhält politisches Asyl in Deutschland. Seitdem lebt er in Köln. Die Türkei erkennt ihm seine Staatsbürgerschaft ab, nachdem er sich mehrfach weigert, den türkischen Militärdienst abzulegen.

Widerstand durch Schreiben

Mit dem Schreiben beginnt Akhanli im deutschen Exil. „Hier habe ich die Ruhe gefunden, über all das, was ich erlebt habe, nachzudenken“, erinnert er sich in unserem damaligen Gespräch. „Meine Frau und ich wurden gefoltert, unser Kind musste dabei zusehen. Wir waren verletzte Menschen, als wir hier ankamen. Doch ich wollte diese Ungerechtigkeiten, die mir, meiner Familie und der ganzen Gesellschaft angetan wurden, nicht akzeptieren. Ich benutzte das Schreiben als meine Waffe. Das war das einzige, was ich tun konnte. Das war meine Art, meine Stimme zu erheben und Widerstand zu leisten“, erzählt er.

Im Visier der türkischen Staatsmacht

In seinen Schriften setzt sich Akhanli mit Gewalt auseinander. Doch nicht nur mit der Gewalt, die er persönlich erfahren hat, sondern auch mit der Gewalt…