Als am 30. Oktober 1961 die Bundesrepublik mit der Türkei, nach Italien, Spanien und Griechenland, das sogenannte Anwerbeabkommen unterzeichnet, befindet sich Deutschland mitten im Wirtschaftswunder. Die ausländischen Arbeitskräfte werden dringend gebraucht. Bis zum Anwerbestopp 1973 kommen über 800.000 sogenannte Gastarbeiter. Sie werden angelernt, arbeiten im Bergwerk und in Fabriken. Für viele wird Deutschland zur zweiten Heimat. Sie bleiben, bauen sich Existenzen auf, holen ihre Familien nach.

Eine türkische Familie im Arbeiterviertel der Ruhrgebietsstadt Duisburg

Gleichzeitig verarbeiten viele ihre Eindrücke und Erlebnisse in der Fremde künstlerisch. Es entstehen Lieder, Bilder, Bücher und Filme. Mal sind sie Bindeglied zur alten Heimat, mal Rebellion, mal halten sie der Gesellschaft, in der sie entstehen, einen Spiegel vor. So wird die Sängerin Yüksel Özkasap in den 1970er-Jahren zum großen Star unter den Türkeistämmigen. Weitgehend unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit singt die „Nachtigall von Köln“ über die verlorene Heimat, bricht mit ihrem Plattenverkauf Rekorde und wird mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

„Trinke Bier, dann bist du auch willkommen hier“

Mit den Jahren erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Leben in der fremden Heimat auch auf Deutsch. Etwa beim Auftritt des Sängers Cem Karaca in der TV-Talkshow „Bios Bahnhof“ im Oktober 1985. Karaca kommt nicht als Arbeitsmigrant nach Deutschland, sondern mit einer Auswanderungswelle von politischen Flüchtlingen um die Zeit des Militärputsches 1980 in der Türkei. „Türkisch Mann noch weißt du nicht/ Dass du eintauschst Menschlichkeit/ Gegen eine Fließbandschicht“ singt er in seinem Lied „Deutscher Freund“. Und kommentiert in seiner sarkastischen Ballade „Willkommen“ mit seiner rauchigen Stimme die Integrations-Debatte: „Komm Türke – trink deutsches Bier/ dann bist du auch willkommen hier/ mit Prost wird Allah abserviert /Und du ein Stückchen integriert.“

Fremdheit,…