Mit markigen Worten hat die britische Regierung Frankreich im Fischereistreit mit Vergeltungsschritten gedroht. London warte noch ab, ob Paris angekündigte Maßnahmen gegen britische Fischer tatsächlich einführe, sagte Umweltminister George Eustice dem Sender Sky News. „Aber wenn sie die einführen, dann können wir dieses Spiel auch spielen und behalten uns die Möglichkeit vor, in angemessener Weise zu reagieren.“ Zuvor hatte die Regierung in London die französische Botschafterin Catherine Colonna für diesen Freitag ins Außenministerium einbestellt.

Die Regierung in Paris bekräftigte dagegen ihre Drohung mit Sanktionen gegen das Vereinigte Königreich. So könnten zum Beispiel ab dem 2. November Sonderkontrollen für britische Waren eingeführt werden, was die wirtschaftliche Situation in Großbritannien noch verschärfen würde. Am Donnerstag hatte Frankreich ein britisches Schiff vor Le Havre beschlagnahmt, weil es ohne Lizenz in seinen Hoheitsgewässern unterwegs gewesen sein soll.

Der Fischereistreit schwelt seit langem. Hintergrund ist die Frage, wie viel ausländische Fischer nach dem Brexit in britischen Gewässern fangen dürfen. Großbritannien hat der Europäischen Union zugesichert, Lizenzen an EU-Fischer auszustellen, die vor dem Brexit am 31. Januar 2020 in britischen Gewässern tätig waren.

Frankreich wirft der Regierung in London vor, diese Papiere zurückzuhalten, was Großbritannien dementiert. Die britischen Gewässer gelten als mit die fischreichsten in Nordsee und Nordatlantik und kommen für den Großteil des EU-Fangs auf.

Bereits in den Verhandlungen über den Handelspakt der Briten mit der EU waren die Fischereirechte die am heftigsten umstrittene Frage. Auf EU-Seite zeigten sich vor allem die Franzosen unnachgiebig. Das Thema wird seit jeher emotional behandelt und ist besetzt mit uralten Ressentiments gegen das jeweils andere Land.

uh/se (rtr, dpa)