Geleakte Dokumente
Querdenken: Facebook machte aus deutschen Corona-Skeptikern ein Experiment

Der Umgang mit problematischen Gruppen beschäftigt Facebook schon länger

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von Malte Mansholt
27.10.2021, 12:40 Uhr

Wie geht man mit Gemeinschaften um, die immer wieder Falschmeldungen verbreiten? Mit dieser Frage hadert Facebook nach wie vor. Nun kommt heraus: Die deutsche Querdenken-Bewegung wurde vom Konzern als „Experiment“ behandelt.

Jahrelang gab es bei Facebook und der Tochter Instagram nur eine Währung: Wurde ein Artikel, Post oder Video besonders intensiv diskutiert, geteilt und kommentiert, landete er im Feed ganz oben. Doch in den letzten Jahren wurde es immer offensichtlicher, dass der Konzern in seinen sozialen Netzwerken ein Problem mit Falschmeldungen und extremistischen Gruppen hat. Um derer Herr zu werden, versuchte man teilweise sehr unterschiedliche Ansätze. Einer davon: das „Querdenken Experiment“.

Das geht aus einem eigentlich nur intern genutzten Dokumente zur deutschen Bewegung der Covid-Skeptiker hervor, das auf den 29. April diesen Jahres datiert ist. Öffentlich geworden ist es um Rahmen der zahlreichen Leaks durch die ehemalige Mitarbeiterin Frances Haugen: Sie waren Teil ihrer Aussage gegenüber dem US-Kongress. Und geben umfangreich Einblicke in die Vorgänge des Internetgiganten.

Zwischen Nichtstun und Eskalation

Dass Facebook gegen die Querdenken vorging, war kein Geheimnis: Mitte September kündigte der Konzern an, auf den eigenen Plattformen Instagram und Facebook gegen die Bewegung vorzugehen, nahm zahlreiche Gruppen, Posts und Videos offline. Doch hinter den Kulissen schien der Kampf schon länger geführt worden zu sein.

Denn Querdenken war von Facebook als Testobjekt für seinen größeren Kampf gegen die immer offensichtlicheren Probleme erkoren…