Das internationale PEN-Zentrum gilt als Stimme verfolgter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Die Vereinigung wurde vor 100 Jahren in London gegründet, seit 1924 gibt es ein deutsches PEN-Zentrum, dessen Mitglieder derzeit Ihre Jahresversammlung in der Frankfurter Paulskirche abhalten. Zu ihrem neuen Präsidenten wählten sie am Dienstagabend den deutsch-türkischen Journalisten und Autor Deniz Yücel. Vorgängerin Regula Venske war nicht mehr angetreten. Yücels Wahl hat Signalwirkung.

„Ich bin sehr dafür, die intellektuelle, politische und kulturelle Auseinandersetzung mit den Feinden der offenen Gesellschaft zu führen, und bilde mir ein, dabei nicht zimperlich zu sein“, sagte Yücel in seiner Rede vor den Mitgliedern des PEN in der Paulskirche. „Aber ich bin davon überzeugt, dass wir als Autorinnen und Autoren, dass wir als PEN um des Prinzips willen und um unserer Glaubwürdigkeit willen im Zweifel immer für die Freiheit des Wortes und der Kunst sein müssen.“ Er fügte hinzu: „Auch für die Freiheit des dummen Wortes, auch für die Freiheit der bescheuerten Kunst, auch dann wenn es wehtut. Gegen die Mächtigen, gegen die Bösen – und wenn es sein muss auch gegen die Guten.“ 

Menschen gehen 2018 für Deniz Yücel in Berlin auf die Straße.

Er fühle sich durch seine Wahl „sehr geehrt“, so Yücel im Interview der Deutschen Welle. Im Jahr 2017 war er in der Türkei als Korrespondent der Zeitung „Die Welt“ wegen angeblicher Terrorpropaganda inhaftiert worden. Ein ganzes Jahr lang saß er in Untersuchungshaft. Erst nach einem politischen Tauziehen kam er fei und konnte ausreisen. Ein Gericht in Istanbul verurteilte ihn in Abwesenheit wegen Terrorpropaganda. Derzeit ist eine weitere Anklage gegen ihn wegen „Herabwürdigung der türkischen Nation“ und Beleidigung ihres Präsidenten anhängig.

Verantwortung für die Freiheit des Wortes

Seine Bewerbung um das Amt des PEN-Präsidenten habe „durchaus mit dieser Erfahrung zu tun“, so Yücel im DW-Gespräch, „obwohl ich…