Marco Reus schaute es ungläubig. Der Angreifer von Borussia Dortmund hatte allerdings eine andere Perspektive als sonst üblich. Der Kapitän des BVB schaute von der Reservebank aus zu, wie sich seine Kollegen in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den FC Ingolstadt geradezu quälten. Am Ende siegte die Borussia gegen den Tabellenletzten der 2. Bundesliga knapp mit 2:0 (0:0) und Reus huschte ein Lächeln über das Gesicht – weil er nach seiner Einwechslung doch noch Teil des Sieges auf dem Rasen wurde.

Was 32-Jährige, der aufgrund seiner vielen Partien zuletzt zunächst geschont wurde, allerdings 70 Minuten lang anschauen musste, hatte mehr mit Qual denn Vergnügen zu tun. Die Mannschaft von Trainer Marco Rose tat sich bis dahin ungeheuerlich schwer ohne den Kapitän und den verletzten Torjäger und Superstar Erling Haaland.

Zweimal Aluminium

Langsames Aufbauspiel und viele Querpässe waren das völlig verkehrte Rezept gegen die vehement verteidigenden Ingolstädter, die Angriff um Angriff abwehren konnten. Und hatte die Borussia mal eine zündende Idee, wie in der ersten Hälfte beim Distanzschuss von Jude Bellingham oder beim Kopfball im zweiten Durchgang von Angreifer Steffen Tigges, dann rettete jeweils die Querlatte für die Ingolstädter.   

Den Dortmunder fehlten ohne ihre Spitzenspieler Ideen, Inspiration, Elan. Kaum waren Reus und der gleichzeitig eingewechselte Thorgan Hazard auf dem Feld, gingen die Dortmunder auch schon in Führung. Hazard traf prompt eine Minute später zum 1:0. Der BVB spielte plötzlich schneller, durchdachter, unberechenbarer.

Deutliche Kreativitätsdefizite

Die Erkenntnis nicht nur dieses Abends dreht sich immer wieder um die mangelnde Stärke der zweiten Garnitur des BVB. Anders als beim FC Bayern, bei dem es von Münchens Trainer Julian Nagelsmann angeordneten Spieler-Rotationen so gut wie keiner Qualitätsverluste gibt, werden die Kreativitätsdefizite bei der Borussia in Spielen wie diesem deutlich sichtbar. Der wohl weiterhin…