Vivek Shraya arbeitet in verschiedenen Disziplinen: Tanz, Fotografie, Film, Theater und Literatur. Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gehört die Vierzigjährige zur kanadischen Delegation. Durch ihre Kunst gewährt Vivek Shraya Einblick in Leben und Identität von Trans-Menschen. Bekannt wurde sie durch ihr 2018 erschienenen, noch nicht ins Deutsche übersetztes Buch „I“m Afraid of Men“ oder ihre Anthologie  „What I Love about being Queer“. Mit „The Subtweet“ und dem in diesem Jahr erschienen Roman „How to Fail as a Popstar“ wechselte sie ins fiktionale Genre. Shraya führte außerdem Regie bei der Produktion von Kurzfilmen und lehrt derzeit an der Universität von Calgary Kreatives Schreiben. Am Rande der diesjährigen Frankfurter Buchmesse sprach sie mit der DW über die Auseinandersetzung mit ihrer Queer-Identität und das Ausloten von Gender-Konzepten mit Hilfe der Kunst.

Deutsche Welle: An welchem Punkt in Ihrem Leben, haben Sie beschlossen, sich als queer zu outen?

Vivek Shraya: „Eine der schwierigsten Erfahrungen für mich war, dass mir gesagt wurde, wer ich bin, bevor ich die Möglichkeit hatte, selbst zu erfahren, wer ich bin. In jungen Jahren wurde ich mit allen möglichen homophoben Schimpfwörtern überzogen. Es war so seltsam, dass die Leute etwas über dich wussten, das du nicht wusstest. Ich hatte dunkelhäutige Eltern und wusste nicht, was Schwulsein bedeutet. Wenn Kinder mich „schwul“ oder „Tunte“ nannten, sagte ich: ‚Ich weiß nicht, was das bedeutet.‘ Ich konnte meine Eltern nicht fragen, weil sie es auch nicht wussten.

Warum haben die Leute so auf Sie reagiert?

Ich glaube, es hatte nichts mit meiner Sexualität zu tun. Bei den Begriffen ’schwul‘ und ‚queer‘ geht es um die sexuelle Orientierung, aber ich glaube, es ging um mein Geschlecht – dass ich mich nicht wie ein typischer Junge verhalten habe. Ich mochte Kunst, ich war kreativ, ich hatte viele Freundinnen. Ich war kein Super-Macho. Im indischen Verständnis von…