Es ist eine Kontroverse, die nicht zum erstenmal geführt wird: Messechef Jürgen Boos verteidigt die Anwesenheit des neurechten Dresdner Verlags Jungeuropa auf der Buchmesse mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit. Diese Haltung stiftet Unmut und sorgte bereits für eine Absage. Die schwarze Autorin Jasmina Kuhnke weigert sich, an der ARD-Buchnacht teilzunehmen, auf der sie ihren Debütroman „Schwarzes Herz“ vorstellen wollte. Auf Twitter drückte sie ihre Empörung über die Buchmesse aus.

Warum darf der Verlag Jungeuropa auf die Messe?

Der Verlag Jungeuropa, der seinen Stand in Halle 3.1 der Buchmesse aufgebaut hat, wird von einem bekennenden neuen Rechten geleitet. Verleger ist der 30-jährige Dresdner Rechtsextreme und Aktivist Philip Stein. Davor war er Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft. Heute organisiert er das rechte Crowdfunding-Projekt „Ein Prozent für unser Land“, das im Umfeld der AfD für die Verbreitung nationalistischer und asylrechtsfeindlicher Ideen wirbt. Die Auftritte von „Ein Prozent“ bei Facebook, Instagram und YouToube sind aktuell gesperrt. Im jüngsten Verfassungsschutzbericht wird „Ein Prozent“ als Verdachtsfall aufgeführt.

Messechef Jürgen Boos

„Neben mir ist kein Platz für Nazis – und deshalb werde ich an der diesjährigen Messe nicht teilnehmen“, schrieb die Autorin Jasmina Kuhnke vor Beginn der Buchmesse auf Twitter. Die ARD habe sie zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Dies sei „wegen der Bedrohung durch Rechte“ nur unter besonderen Schutzmaßnahmen möglich und sei deshalb vorab nicht angekündigt worden. Dann habe sie erfahren, dass unweit der Bühne der Verlag Jungeuropa ausstellen darf.

Kuhnke fürchtet um ihre Sicherheit

Als Leiter des rechtsextremen Gemeinschafts-Projekts „Ein Prozent für unser Land“ habe Philip Stein öffentlich geschrieben, dass sie abgeschoben werden solle, so Kuhnke. „Es ist also damit absehbar, dass über den Verlag und Autor*innen hinaus auch weitere Rechtsextreme die Messe besuchen werden, was…