Sie schreibt über Sexualität, Gewalt, Massenkultur, den verdrängten Faschismus. Noch in den 1980er- und 1990er-Jahren gab Elfriede Jelinek die unbequeme, scharfzüngige Moralistin, hielt der – wie sie fand – konservativen, bigotten und geschichtsvergessenen Gesellschaft ihrer österreichischen Heimat den Spiegel vor. Mit ihrem sarkastischen, provokanten, mitunter höhnischem Stil brachte sie das halbe Land gegen sich auf. Die Jelinek – eine Wutbürgerin, die bis heute gnadenlos polarisiert.

Seit Elfriede Jelinek 2004 die höchsten literarischen Weihen erhielt – den Literaturnobelpreis – hat sich die Autorin aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sie gibt kaum mehr Interviews. Was nicht heißt, dass sie die Hände in den Schoß gelegt hätte, auch wenn man sie auf der Frankfurter Buchmesse, der Plattform für Literaten schlechthin, nicht mehr antrifft: präsent ist die Jubilarin trotzdem.

Die Literaturnobelpreisträgerin von 2004: Elfriede Jelinek.

Sie bringt Aufsätze zu Papier, schreibt Essays, Repliken, Tiraden, Polemiken, Nachrufe, Reflexionen und daneben auch noch Theaterstücke und Romane. „Schreiben müssen“, betitelte sie 2003 einen Beitrag für die Wiener Zeitung „Der Standard“, eine Hommage an „die Sprache, die alles öffnet und alles schließt und sich allem verschließt und selber alles ist.“ Mit Sprache, für Jelinek ein „Instrument“ im „Reich des Gestaltens“, soviel ist sicher, erzeugt sie einen nicht abreißenden Wortstrom.

Jelinek spitzt zu, regt auf

Ihr Denken kreist häufig um ihre Rolle in der Welt und um das Verhältnis der Menschen zueinander, aktuelle Bezüge nicht ausgeschlossen. So ist ihr neues Stück „Lärm“, eine Stimmencollage über die Covid-19-Pandemie, Anfang Juni 2021 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt, ein Wortschwall an Nachrichten, Erklärungen, Gerüchten, Theorien und Verschwörungsmythen rund um Corona. „Schwarzwasser“ heißt Jelineks Drama vom Februar 2020, das aus Anlass der „Ibiza-Affäre“ entstand,…