Größte konventionelle Explosion
Die Halifax-Katastrophe – diese Explosion zerstörte eine ganze Stadt

Das Stadtviertel Richmond wurde dem Erdboden gleichgemacht. 

© Nova Scotia Archiv

von Gernot Kramper
20.10.2021, 17:26 Uhr

Vor mehr als 100 Jahren wurde der Hafen von Halifax dem Erdboden gleichgemacht. Nach einer Kollision im Hafenbecken explodierte der Munitionstransporter Mont Blanc. 2000 Menschen starben, doch einige hatten den Mut, noch Schlimmeres zu verhindern. 

Am 15. Dezember 1917 stieg Mary Nehiley in den riesigen Keller der Schule in der Chebucto Road, Halifax, hinab. Die Schule war geräumt und unheimlich still. Vor dem Gebäude erstreckte sich über die Fläche eines ehemaligen Straßenblocks eine Halde einfach zusammengenagelter Kiefernsäge. Neun Tage zuvor ereignete sich die größte konventionelle Explosion aller Zeiten im Hafenbecken von Halifax, sie zerriss die halbe Stadt, mehr als 2000 Menschen starben – davon 500 Kindern. Vier dieser Kinder suchte Mary Nehiley in den Gewölben unter der Schule, in der ein improvisiertes Leichenschauhaus errichtet wurde. Nehiley konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass ihre Verwandten anonym in einem Massengrab verscharrt werden würden. Am 15. Dezember ging sie durch die endlosen Reihen, solange bis sie ihre zwei Nichten und ihre beiden Neffen gefunden hatte. 

Halifax war Kriegshafen

Was war neun Tage zuvor geschehen? In Europa tobte der Erste Weltkrieg, hier kämpfte Kanada an der Seite Großbritanniens. Der Hafen von Halifax war ein wichtiger Versammlungs- und Abfahrtsort für die Konvois, die Nachschub und Soldaten über den Atlantik bringen sollten. Die Kriegswirtschaft führte zu einem unglaublichen Wirtschaftsboom in der Hafenstadt.

Die Männer der Patricia wollten den Brand löschen.

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Das änderte sich am 6. Dezember 1917. Am frühen Morgen…