Pandemie-Missmanagement in Brasilien
600.000 Corona-Tote: Bolsonaro soll wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt werden

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro kritisiert den Untersuchungsausschuss als „politisch motiviert“

© Evaristo Sa / AFP

von Leonie Scheuble
20.10.2021, 15:52 Uhr

Während Brasilien einen der schlimmsten Corona-Ausbrüche weltweit durchlitt, weigerte sich Jair Bolsonaro, die Pandemie ernst zu nehmen. Nun macht ein unabhängiges Gremium dem Präsidenten schwerwiegende Vorwürfe.

Lange schon stand Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro für seinen Umgang mit der Corona-Pandemie in der Kritik. Nun soll er laut einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt werden. Knapp sechs Monate hatte der Ausschuss das Pandemie-Management der Regierung untersucht und war zu einer bitteren Bilanz gekommen: Der rechtspopulistische Präsident habe das Coronavirus unkontrolliert durch das Land wüten lassen und Hunderttausende Tote in Kauf genommen, um eine Herdenimmunität zu erreichen und die Wirtschaft wiederzubeleben.

Zudem sieht der bereits vorab zirkulierende Berichtsentwurf vor, 69 weitere Personen – darunter drei von Bolsonaros Söhnen – und zahlreiche aktuelle und ehemalige Regierungsmitglieder zur Verantwortung zu ziehen. Die Senatoren diskutierten Medienberichten zufolge bis spät in die Nacht über den endgültigen Inhalt und beschlossen, zwei Verbrechen aus der Liste der Vorwürfe wieder zu entfernen. Der Abschlussbericht wurde am Mittwoch vor dem Senat in Brasília präsentiert.

Ursprüngliche Vorwürfe lauteten: Massenmord und Genozid

Das Gremium hatte in dem Bericht ursprünglich empfohlen, Bolsonaro wegen Massenmord und Genozid an indigenen Gruppen im Amazonasgebiet anzuklagen. Nachdem dort in den Krankenhäusern der Sauerstoff ausgegangen war, hatte das…