Nachdem die „New York Times“ über Vorwürfe gegen Julian Reichelt berichtet hatte, wurde der ehemalige Chefredakteur der „Bild“-Zeitung von seinen Aufgaben entbunden: Frauen hätten ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen und er habe seine Machtposition ausgenutzt, um mit jungen Kolleginnen zu schlafen. 

Aber welche Rolle spielt eigentlich die „Bild“-Zeitung und der Axel Springer Verlag in der deutschen und internationalen Medienlandschaft? Die „Bild“, deren Chefredakteur Reichelt seit 2017 war, ist mit 1,24 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland und prägt seit ihrer Gründung im Jahr 1952 die deutsche Medienlandschaft wie keine andere – ist dabei aber auch umstritten und sorgt regelmäßig für Diskussionen und Rügen seitens des Deutschen Presserats.

Bezichtigte im Jahr 1967 den Verleger Axel Springer der „Hetzpropganda“: Rudi Dutschke.

Hinter der Boulevard-Zeitung steht der milliardenschwere deutsche Axel-Springer-Konzern, der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde und zunächst hauptsächlich Tageszeitungen und Zeitschriften verlegte. Ihr Gründer, Axel Springer, war eine umstrittene Persönlichkeit: Aus Protest gegen den offen deklarierten Anti-Kommunismus verübte die Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) im Jahr 1972 einen Bombenanschlag auf das Hamburger Springer-Büro. Zuvor hatte sich die Bild-Zeitung aggressiv gegen die Studentenproteste der 1960er Jahre und die von ihnen geforderte gesellschaftliche Erneuerung positioniert. Sie hetzte insbesondere gegen Rudi Dutschke, die Führungsfigur der sogenannten „1968er“ in Deutschland, der einem Attentat zum Opfer fiel.

Heute handele es sich bei Axel Springer jedoch kaum mehr um einen klassischen Verlag, sagt Medienwissenschaftler Christopher Buschow im Gespräch mit der DW. Viel eher sei Springer heute als ein Medienhaus oder ein Digitalkonzern zu verstehen, dessen zentrale Erlöse nicht mehr nur im Journalismus generiert würden, sondern auch in anderen Investments wie…