Der Deutsche Buchpreis ist einer der wichtigsten Literaturpreise in Deutschland. Am Montagabend (18.10.) trifft die siebenköpfige Jury ihre Entscheidung, welcher Autor, welche Autorin die Auszeichnung 2021 erhält. Sechs Romane gehen in den Wettbewerb um den mit 25.000 Euro dotierten Preis. 

Antje Rávik-Strubel: Blaue Frau

Antje Rávik-Strubel entführt den Leser ins Riesengebirge

Auf den Felsen am Ufer, jenseits der Birken, am Ende der Bucht erscheint die blaue Frau. Sie istso deutlich, dass ihre Gestalt alles überstrahlt.
Das Licht fällt scharf auf die Felsen.

In Antje Rávik-Strubels Roman „Blaue Frau“ geht es um Adina, auch Sala oder Nina genannt, die in Helsinki Zuflucht gesucht hat. Schon als Kind sehnte sie sich hinaus aus dem Dorf in Tschechien, in dem sie aufwuchs, in den tschechischen Krkonoše-Bergen. Dort verkaufte sie Glühwein, auch an deutsche Touristen, einer davon küsst sie gegen ihren Willen, weil sie ihm keinen Alkohol ausschenken will. Seine Freunde nennen ihn Ronny. Diese Erinnerung prägt Adina: „Dass jemand wie Ronny ihr einfach seine Zunge in den Mund stecken kann, hängt vielleicht mit dem zusammen, was die Barkeeper meinen, wenn sie über deutsche Frauen reden. Sie reden oft über deutsche Frauen, manchmal sogar, wenn welche in der Bar sitzen und Cuba Libre durch die Strohhalme ziehen. Die Barkeeper sprechen kein Deutsch. Und die Frauen mit den Strohhalmen wissen nicht, was es bedeutet, wenn die Barkeeper beim Servieren des Cubra Libre grinsend fragen, ob sie glauben, Tschechen seien ein bisschen dumm im Kopf. Gut genug zum Liftsitze unter den Arsch klemmen, zum Dreck wegmachen oder als Sexspielzeug, billig wie die Hörnchen im Potraviny.

Vielleicht hatte Ronny gedacht, sie sei ein bisschen dumm im Kopf.“

Trotzdem geht Adina nach Deutschland, absolviert zunächst einen Sprachkurs in Berlin, dann ein Praktikum in einem Kulturhaus in der Uckermark. Dort wird sie Opfer eines sexuellen Übergriffes, den niemand ernst nimmt. Adina wird zu einer…