Wer „Tacheles“ redet, kommt ohne Umschweife zur Sache. So lautet eine gängige Definition des jiddischen Begriffs, der seinen Ursprung im Hebräischen tachlit (dt. Ziel, Zweck) hat. Auch in der neuen Dokumentation „Endlich Tacheles“ der renommierten Berliner Filmemacherinnen Jana Matthes und Andrea Schramm wird Klartext geredet.

„Ich weiß nichts über das Judentum und war trotzdem die Judensau“

„Warum ich der unjüdischste Jude der Welt bin?“, fragt darin Yaar, ein junger Jude aus Berlin und Hauptprotagonist des Films. „Fangen wir damit an, dass ich nicht beschnitten bin. Wir haben nie Feste gefeiert, nie koscher gegessen. Meine Freundin ist Deutsche. Ich weiß nichts über das Judentum, kenne nicht mal das Gebet, das an Schabbat gesprochen wird“, gibt er zur Antwort und schiebt nach: „Und trotzdem war ich in der Schule manchmal die Judensau.“ Das sitzt. Es sind diese offenen Worte, die einen nachdenken lassen über ihn, seine Vorfahren, den Holocaust und schließlich über Schuld, Verantwortung und Versöhnung. Was haben junge Leute der dritten Generation heute noch mit der Shoa zu tun, lautet die prekäre Frage, der der Film auf ebenso ungewöhnliche wie emotionale Weise nachgeht.

Vater und Sohn geraten im Film „Endlich Tacheles“ nicht nur beim Schwertkampf aneinander

Leid verarbeiten durch Provokation

Yaar wurde in Jerusalem geboren. Mit fünf Jahren kam er nach Deutschland. Hier wurde er seitens seiner geschiedenen Eltern ständig mit deren Vergangenheit und der seiner Großeltern konfrontiert. Seinem – noch immer traumatisiertem – Vater wirft er vor, am Holocaust zu leiden, den er nicht einmal selbst erlebt hat. Nun will der 21-Jährige Gamedesigner werden.

Aus Rebellion plant er gemeinsam mit seinen Freunden Sarah und Marcel ein Computerspiel mit dem Titel „Als Gott schlief“, in dem die Rollen neu gemischt werden: Der Spieler agiert dort in der Funktion eines jüdischen Mädchens und eines Nazis, der Juden beschützt. Das Mädchen ist als Alter Ego von Yaars Großmutter…