Weitgereist ist der Flügel des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann. Dank seines Enkels Frido Mann trat das Instrument 2019 seine letzte Reise an, zurück ins frühere Exil der Familie in Pacific Palisades am Rande von Los Angeles. Dort wird das Erbstück am 16. Oktober feierlich von dem Klaviervirtuosen Igor Levit eingeweiht. Wegen der Corona-Pandemie musste das Konzert lange Zeit verschoben werden.

Frido Mann, selbst Musiker, Psychologe und Autor, war es wichtig, dass dieser Flügel wieder in das einstige Haus der Großeltern zurückkommt. „Ich habe Jahrzehnte lang den Flügel mitgeführt, das war mein musikalischer Alltag“, sagte der Autor im Gespräch mit der Deutschen Welle. Vor zehn Jahren habe er dann langsam aufgehört auf dem Instrument zu spielen. „Da dachte ich, jetzt ist genau die Zeit gekommen diesen Schritt zu tun.“

Mit der Schenkung des Flügels an die Bundesrepublik Deutschland wollte er sich vor allen Dingen bei der Bundesregierung bedanken, die das Haus 2016 zurückgekauft und so vor dem Verfall bewahrt hatte. „Ich wollte aber auch eine gewisse Lebendigkeit von der historischen Bedeutung des Hauses wieder dort hineinbringen“, sagt Mann.

„Das Weiße Haus des Exils“

Das Thomas-Mann-Haus in Los Angeles

Die weiße Villa, in der Thomas Mann von 1942 bis 1952 mit seiner Familie lebte, ist heute eine transatlantische Begegnungsstätte, in der bis zu fünf Stipendiatinnen und Stipendiaten wohnen können, um im Austausch mit dem Gastland Gesellschafts- und Zukunftsfragen nachzugehen. 2018 eröffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das „Thomas Mann House“, wie es offiziell heißt. Damals regierte Donald Trump, der viele transatlantische Beziehungen kappte. Steinmeier nannte das Wohnhaus der Familie in Anlehnung an den Regierungssitz des amerikanischen Präsidenten „Das Weiße Haus des Exils“. Frido Mann veröffentlichte unter dem gleichnamigen Titel 2018 sein Buch über die Exiljahre Thomas Manns und sein politisches Engagement. 

Mitte der 1940er-Jahre…