Meinung

Autobauer unter Druck
Der Weckruf des VW-Chefs

Herbert Diess, Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG

© Carsten Koall / DPA

Herbert Diess malt ein düsteres Szenario an die Wand: 30.000 Stellen könnten bei VW wegfallen. Nur eine Drohung? Wohl kaum, denn der Maßstab für Effizienz wird von Tesla gesetzt – und das bald auch vor der Haustür des deutschen Autobauers.

Von Nils Kreimeier

Es ist noch gar nicht so lange her, da galten Elektroautos in deutschen Autokonzernen als ein Nischenprodukt, als etwas, das vielleicht einmal interessant werden könnte, aber das nur wenige so richtig ernst nahmen. Zu viel Geld wurde noch mit den angestammten Verbrenner-Modellen verdient, zu gut verkauften sich die Benzin-schluckenden SUVs, die auch in Großstädten zum Inventar gehören. Auch bei Volkswagen, dem Autoriesen, der mit dem Tiguan einen der in Deutschland meistverkauften Geländewagen im Programm hat.

Als es daher vor einigen Jahren um die Frage ging, welche Werke des Konzerns künftig auf Batterie-Fahrzeuge umgerüstet werden sollten, da winkte der damalige Betriebsratschef Bernd Osterloh für den Stammsitz in Wolfsburg ab. Das Werk war ja gut ausgelastet. Stattdessen wurde Zwickau ausgewählt, um dort den ID.3 zu bauen – das erste voll als Elektroauto konzipierte Fahrzeug unter der Marke der VW. Auch das Nachfolgemodell, der ID.4, rollt in Zwickau vom Band.

Diese Entscheidung fällt den Wolfsburgern nun auf die Füße – und sorgt für Aufruhr im Konzern. Denn seit spätestens letztem Jahr und infolge üppiger staatlicher Förderung sind Elektroautos kein Nischen-Ding mehr, sondern werden wirklich gekauft. Reine Stromer hatten im September dieses Jahres bundesweit schon an einen Anteil von über 17 Prozent an allen Neuzulassungen, zusammen mit den Plug-in-Hybriden geht es in Richtung 30 Prozent. Die Nachfrage brummt also. In Wolfsburg hingegen, wo vor allem Golf…