Die Gewalt begann laut einem Augenzeugen, als Unbekannte aus einem Gebäude in Nähe des Justizpalastes Schüsse abgaben. Dort war ein Protest gegen Ermittlungsrichter Tarek Bitar geplant, der die Untersuchung zur gewaltigen Explosion im Hafen von Beirut im August 2020 leitet. Dabei waren mehr als 190 Menschen getötet und rund 6000 verletzt worden. Wer genau für die plötzliche Gewalt an diesem Donnerstag verantwortlich war, blieb zunächst unklar.

Eine Frau sucht mit zwei Kindern Schutz hinter einem Auto

Die Stimmung war in Beirut sehr angespannt. Auf einem Video waren Scharen von Menschen zu sehen, die bei Schüssen über eine Kreuzung rennen und Schutz suchen. Sicherheitskräfte waren in großer Zahl im Einsatz und sperrten Straßen ab. Anwohner wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Eltern flüchteten mit ihren Kleinkindern auf dem Arm oder holten ihre Kinder in Panik von der Schule ab.

Ermittlungsrichter sollte abgesetzt werden

Die schiitische Amal-Bewegung, die enge Kontakte zur Iran-treuen Hisbollah pflegt, hatte zum Protest vor dem Justizpalast aufgerufen. Sie fordert, dass Ermittlungsrichter Bitar der Fall entzogen wird. Am Donnerstag wies ein Kassationsgericht einen Antrag zweier schiitischer Ex-Minister zurück, Bitar abzusetzen – kurz darauf brach die Gewalt auf der Straße aus. Die beiden Ex-Minister Ali Hassan Khalil und Ghasi Saitar haben Verbindungen zu Hisbollah und Amal.

Anhänger der Amal-Bewegung demonstrieren vor dem Justizpalast in Beirut

Schon vor einigen Wochen hatten Ex-Minister gegen Bitar geklagt und ihm bei der Untersuchung mangelnde Neutralität vorgeworfen. Seinem Vorgänger war der Fall vor einem halben Jahr nach Beschwerden von beschuldigten Ex-Ministern entzogen worden. Bitar kann seine Arbeit zumindest nach dem neuen Gerichtsbeschluss vom Donnerstag vorerst fortsetzen. Bitar hatte gegen Khalil einen Haftbefehl erlassen, nachdem dieser zu einer Befragung nicht erschienen war.

Erinnerungen an den…