„Alles beginnt mit dem berühmten Dramatiker Christopher Marlowe. 1580 wurde er am Corpus Christi College der Uni Cambridge als Spion rekrutiert und sein Aufstieg zum gefeierten Schriftsteller begann.“ Marlowe, so führt Professor Christopher Andrew, der Nestor der Spionageforschung, im DW-Gespräch aus, steht wie kein zweiter für die Gemeinsamkeiten zwischen der Welt des Entertainments und der Spionage.

„Der kurzlebige Lifestyle von reisenden Entertainern ist dem von Spionen gar nicht unähnlich, deswegen sind sie sehr gut für Undercover-Arbeit geeignet. Fiktionale Identitäten, das Lernen eines Skriptes und Improvisationsfähigkeit sind zentral für beide Berufe, in denen es darum geht, jemand anders darzustellen. Undercover-Agenten finden sich selbst oft in einer Art Langzeit-Rollenspiel wieder“, so Andrew.

Dass der erste Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, Mansfield Smith-Cumming, seine Verkleidungen bei demselben Theaterausstatter kaufte wie die Theater des Londoner West Ends, war also keine Überraschung. Kuriose und spannende Geschichten wie diese erzählen Christopher Andrew und Theaterproduzent und Zirkusdirektor Julius Green in ihrem neu erschienenen Buch: „Stars and Spies. Intelligence Operations and the Entertainment Business“.

Mata Hari und Fälschungen für US-Präsidenten

Nicht fehlen darf dabei die wohl bekannteste Showbiz-Spionin, Margaretha Geertruida Zelle, besser bekannt als Mata Hari. Als exotische Tänzerin spionierte sie während des Ersten Weltkrieges im deutschen Auftrag in Pariser Separées. Für Andrew ist sie „ein Beispiel dafür, wie sehr das populäre Image von Spionage von der Fantasie und weniger von der Realität abhängt.“ Weder im Showbiz, noch in der Spionage war Mata Hari besonders erfolgreich. Doch die Rolle als glamouröse Spionin spielte sie bis zu ihrer Hinrichtung mit Hingabe.

Tänzerin und Spionin Mata Hari

Zu den Gemeinsamkeiten von Spionage und Unterhaltung gehört auch die Täuschung. Das zeigt der Fall des…