von Christine Leitner
14.10.2021, 19:00 Uhr

Jahrelang hat das „System Kurz“ gut funktioniert – nicht zuletzt, weil viele Medien „eine intensive Nähe zur Politik pflegen“, sagt Florian Klenk, Chefredakteur der Wochenzeitung „Falter“. Der Journalist hat den Fall an die Öffentlichkeit gebracht und mit dem stern darüber gesprochen.

Als „beispiellosen Kriminalfall“ bezeichnet „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk die Inseratenaffäre, mit der der charismatische und jetzige Altkanzler Sebastian Kurz sein Land in eine Regierungskrise gestürzt hat. Das Blatt gehörte zu einen der ersten, die über den Fall berichteten. Es geht um geschönte Umfragen, die dem damaligen Außenminister Kurz 2017 den Weg an die Spitze der Österreichischen Volkspartei und ins Kanzleramt verhelfen sollten. Doch die Korruptionsaffäre ist kein rein politischer Skandal. Auch die Medien trifft eine Mitschuld. Florian Klenk hat mit dem stern über das „System Kurz“ und die Rolle der Presse gesprochen.

Herr Klenk, Österreich ist bekannt für seine „Freunderlwirtschaft“. Warum funktioniert das auch mit den Medien?

In Österreich gibt es sehr viele Boulevardmedien, die eine intensive Nähe zur Politik pflegen. Dieses System hilft sich gegenseitig. Die Politik versorgt die Blätter mit Inseraten und G’schichtln, wie man hier in Wien sagt. Dafür gab es wohlwollende Berichterstattung. Das Neue an dem Fall um Sebastian Kurz und der ÖVP ist, dass diese positive Berichterstattung mutmaßlich mit Steuergeldern erkauft wurde.

Mit Parteispenden oder privat finanziert wäre der Fall also nur halb so problematisch?

Für die Medien ist das ein Problem, weil sie ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Eine Straftat wäre das aber nicht. Die frisierten Umfragen sollen aber mit Steuermitteln finanziert und über die Medien verbreitet worden sein. Dass Wolfgang Fellner von…