Notstand verhängt
Welle der Gewalt: Wie Chile die Kontrolle über den Süden verliert

Eine Demonstration für die Rechte der indigenen Bevölkerung ist in Santiago eskaliert

© Matias Basualdo / DPA

von Leonie Scheuble
13.10.2021, 19:37 Uhr

Seit Jahrzehnten kämpfen Indigene in Südchile für Landbesitz und ihre Unabhängigkeit. Nun hat die Regierung den Notstand verhängt – und damit eine neue Welle der Gewalt ausgelöst, befürchten Kritiker.

Im Süden von Chile herrscht Chaos. Immer wieder kommt es zu Protesten, Brandanschlägen und Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und der indigenen Bevölkerung. Nun wurde bei einer Demonstration für die Rechte Indigener eine Frau getötet – und der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt droht zu eskalieren. 

Angesichts der neuen Welle der Gewalt hat die chilenische Regierung umgehend den Notstand im Süden des Landes ausgerufen. Das Militär werde in den Provinzen Biobío, Arauco, Malleco und Cautín die Polizei in den kommenden zwei Wochen unterstützen, teilte Präsident Sebastián Piñera mit. Er habe die Entsendung von Soldaten angeordnet, um gegen „die schwerwiegende Störung der öffentlichen Ordnung“ vorzugehen. In der Region sei es „wiederholt zu Gewalttaten im Zusammenhang mit Drogenhandel, Terrorismus und organisierter Kriminalität gekommen, die von bewaffneten Gruppen begangen wurden“. Der „verfassungsgemäße“ Ausnahmezustand richte sich „keinesfalls gegen ein Volk oder eine Gruppe friedlicher Bürger“, betonte Piñera. 

Eskalierte Demo: Eine Tote und 17 Verletzte

Doch die Ereignisse des vergangenen Wochenendes lassen viele an den Worten des Präsidenten zweifeln. Rund 1000 Angehörige des indigenen Volkes der Mapuche hatten bei einer Kundgebung am Sonntag in der Hauptstadt Santiago mehr Autonomie vom chilenischen Staat gefordert. Als die Polizei mit Wasserwerfern und…