Sehr arme und sehr reiche Menschen haben eins gemeinsam, heißt es in „Squid Game“: Das Leben macht ihnen keinen Spaß. Die einen wissen nicht, wie sie sich und ihre Familie ernähren können, und die anderen sind vor lauter Überfluss gelangweilt. Warum nicht beides zusammenfügen? Ohne zu spoilern: „Squid Game“ wird von sehr reichen Menschen organisiert, die sich zu ihrer Zerstreuung hunderte Verliererinnen und Verlierer einladen. Diese werden durch sechs Spielrunden geführt. Alle, die die Spielrunde nicht schaffen, werden „disqualifiziert“ – hingerichtet. Dem Sieger winkten viele Millionen als Preisgeld.

Diese wohl erfolgreichste Serie in der Geschichte von Netflix handelt von einfachen Kinderspielen, bei denen es um Leben und Tod geht. Ob es ein Laufspiel ist, bei dem jedem, der sich im falschen Moment bewegt, in den Kopf geschossen wird, oder verlierende Teams in fast unheimlicher Stille in die Tiefe stürzen – am Ende zählen mehr die perfiden psychologischen Tricks, mit denen die Spielerinnen und Spieler durch die Runden geschickt werden.

Brutal und unerträglich

Zum Teil ist das Geschehen so unerträglich, dass manche Menschen aus der Serie ausgestiegen sind. Wer denkt sich so etwas Verstörendes aus? Es ist der koreanische Regisseur und Drehbuchautor Hwang Dong-hyuk. Seit 2008 hatte er die Geschichte in der Pipeline und ging damit Klinken putzen. Niemand wollte das haben, es war allen potenziellen Geldgebern zu brutal und unrealistisch. Dem Wall Street Journal erzählte Hwang Dong-hyuk, er habe damals sogar seinen Laptop verkaufen müssen, um sich etwas zu Essen kaufen zu können.Erst die Corona-Pandemie habe die wachsende Schere zwischen Arm und Reich so sehr verdeutlicht, dass die Geschichte salonfähig wurde, so Hwang. „Die Welt hat sich verändert. Im Vergleich mit dem, was vor zehn Jahren war, machen all diese Punkte die Geschichte für die Menschen heute sehr realistisch.“

Am Anfang sind es 456 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das ändert sich allerdings…