Eine griechische Armada segelt gen Osten. Ihr Ziel: Die nach Troja entführte Helena, die schönste Frau der Welt, zurück nach Griechenland zu holen. Zehn Jahre lang belagern sie die Stadt, doch erst mit einer List können sie sie erobern: Die Krieger verstecken sich in einem hölzernen Pferd, das die ahnungslosen Bewohner Trojas hinter ihre Mauern ziehen. Es ist ihr Untergang. Der griechische Dichter Homer machte aus diesem Epos der Antike Weltliteratur: Seine „Ilias“ faszinierte unzählige Generationen, und so blieb die untergegangene Stadt in den Köpfen der Menschen lebendig. „Troja markiert trotz seiner Lage in Kleinasien den Anfang der europäischen Geschichte“, sagt Ernst Baltrusch, Professor für Alte Geschichte mit dem Schwerpunkt Römische Geschichte an der FU Berlin, im DW-Gespräch. Homers „Ilias“ habe schon in der Antike eine große Bedeutung gehabt. „Über Griechen und Römer wurde die antike Begeisterung bis in die Gegenwart weitergetragen.“

Auch Heinrich Schliemann (06.01.1822 – 26.12.1890) war von Troja fasziniert. Im Buch „Weltgeschichte für Kinder“ interessierte den damals Siebenjährigen besonders ein Bild der brennenden Stadt. Für den Jungen blieb es unvorstellbar, dass die Stadtmauern nicht mehr vorhanden sein sollten. Und so beschloss er, Troja auszugraben. Mehr als 40 Jahre hielt Schliemann an diesem Vorhaben fest, bis er 1870 tatsächlich mit – unauthorisierten – Ausgrabungsarbeiten am Hisarlık Tepe (Palasthügel) im nordwestlichen Kleinasien begann. Erst anderthalb Jahre später, am 11. Oktober 1871 bekam er die offizielle Erlaubnis aus Konstantinopel die Ausgrabungsarbeiten fortzuführen – nach einer Intervention der amerikanischen Botschaft, deren Unterstützung er erfragt hatte. So überzeugt war er, dort das sagenumwobene antike Troja aus den Homerischen Dichtungen entdeckt zu haben.

Geschäftsmann, Goldsucher und Archäologe

Für den Abenteurer war die Antike ein Lebenstraum, obwohl sein Karriereweg zunächst in eine andere Richtung…