von Jan Rosenkranz
11.10.2021, 16:18 Uhr

Alte Jugend-Tweets der neuen Sprecherin der Grünen Jugend haben ihr einen Shitstorm und Morddrohungen eingetragen. Das Netz vergisst nichts. Noch weniger vergibt es. Mal wieder ein Grund, sich richtig schön aufzuregen.

Es gab einmal eine Zeit, da trug ich „Russenkoppel“, so einen Gürtel mit Messingschnalle wie ihn die Soldaten der Roten Armee trugen. Warum? Fand ich cool, damals mit 14. Zum Glück gibt es keine Videos aus diesen Tagen von dem, was wir damals Party nannten. Auch bin ich sehr dankbar, dass (soweit ich weiß) keine Fotos unserer nächtlichen Streifzüge durchs anarchische Wende-Berlin existieren. Und zum Glück weiß nicht mal ich mehr so genau, was ich mit 14 so sagte, bisweilen vielleicht sogar grölte.

Wir hatten einfach Glück. Ich nenne es die Gnade der frühen Geburt – um mal ein Wort des damaligen Kanzlers Helmut Kohl abzuwandeln. Was wir mit dem Zirkel in Resopaltische ritzten oder mit dem Edding auf dem Schulklo hinterließen, ist längst ausgetauscht, übermalt und wegradiert – verschwunden im Nebel des Vergessens.

Sarah-Lee Heinrich hat es schwerer. Sie trägt die Last der späten Geburt. Sie war auch mal 14, was leider nicht allzu lange her ist. Ihre Phase als irrer Hormon getriggerter Teenager fiel schon ins Zeitalter der sozialen Medien, weshalb Teile ihrer damaligen Äußerungen bis heute gut dokumentiert sind, jedenfalls waren. Kurz bevor die heute 20-jährige Sarah-Lee Heinrich am Wochenende zur neuen Sprecherin der Grünen Jugend gewählt worden ist, hat sie manchen Tweet gelöscht.

Sarah-Lee Heinrich: Rückzug aus der Öffentlichkeit, für ein paar Tage

Sie hat gewusst, warum. Genutzt hat es ihr wenig. Das Netz vergisst nichts. Noch weniger vergibt es. Und so wurden sofort aufgeregt diverse Äußerungen der jungen und sehr jungen Sarah-Lee Heinrich auf Twitter herumgereicht. Und so…