AfD-Vorsitzender
Wie Jörg Meuthen den Rechtsruck der AfD verhindern wollte – und damit scheiterte

Er werde „sein Gesicht nicht für eine Partei hergeben, die schleichend in rechtsextremistische Positionen abrutscht“, sagte Meuthen.

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Nach sechseinhalb Jahren schmeißt der bisherige AfD-Vorsitzende das Handtuch. Jahrelang hatte Jög Meuthen versucht, die Partei vom rechtsextremen Kurs wegzumanövrieren. Das ist nicht gelungen – jetzt tritt er ab.

Schritt für Schritt verlagert sich das Machtgefüge in der AfD in Richtung der radikalen Kräfte. Parteichef Jörg Meuthen suchte erst deren Nähe und stellte sich dann offen gegen sie. Nun gibt der 60-Jährige auf. Er werde auf dem Bundesparteitag im Dezember nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren, schrieb Meuthen an die AfD-Mitglieder. Sechseinhalb Jahre war er dann im Amt – und prägte die 2013 gegründete Partei entscheidend mit.

Praktisch aus dem Nichts kam Meuthen im Juli 2015 auf dem chaotischen Essener Mitgliederparteitag an die AfD-Spitze. Als Frauke Petry dort Stimmung gegen Parteigründer Bernd Lucke machte und ihn aus dem Amt jagte, war Meuthen zur Stelle. Als Petrys „Mann im Beiwagen“ wurde der neue Ko-Vorsitzende zunächst betitelt. Doch der Wirtschaftsprofessor festigte beharrlich seine Position. 2016 machte er seine Kampfansage an das „links-rot-grün versiffte 68er-Deutschland“, die er vielfach wiederholte.

Nach Petrys Abgang rückte 2017 Alexander Gauland an Meuthens Seite. Ende 2019 wurde dann Tino Chrupalla aus Sachsen zum Ko-Parteichef gewählt. Meuthen selbst verkündete, er wolle die AfD „regierungswillig und -fähig“ machen. 

Wie Meuthen nach und nach die Mehrheit verlor

Im vergangenen Jahr galt Meuthens Ehrgeiz vor allem einem Ziel: Eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz abzuwehren. Im März stufte das Bundesamt den…