Die visuelle Opulenz von Wong Kar-Wai, das rasante Action-Kino von John Woo und Johnnie To, doppelbödige Thriller und atemberaubende Martial Arts-Blockbuster: Filme aus Hongkong stehen seit Jahrzehnten hoch im Kurs und sorgen immer wieder für wichtige Impulse im internationalen Kino. US-Regisseur Quentin Tarantino sagte einmal bei einem Interview mit der South China Morning Post: „Ich bin nicht nur ein Fan des Hongkong-Kinos. Ich studiere es.“ Auch andere einflussreiche US-Filmemacher wie die Wachowskis („Matrix“) zitieren in ihren Werken Filmkunst aus Hongkong.

Diese ist nicht nur bildgewaltig, spannend oder explosiv, sondern kommt oft auch ganz leise daher. Die innere und äußere Zerrissenheit der schillernden Metropole, die nach 156 Jahren unter britischer Kolonialherrschaft 1997 als Sonderverwaltungszone an China zurückgegeben wurde, fand immer wieder ihren Weg in die Filmplots – mal ganz offensichtlich, mal subtil. Filme aus Hongkong berührten oft auch Themen, die in China tabu sind, wie Homosexualität, psychische Krankheiten oder die Demokratiebewegung. 

Polizeigewalt gegen Demonstranten: Szene aus dem Dokumentarfilm „Do Not Split“

Bedrohung durch Zensur

Damit könnte es nun vorbei sein: Im August 2021 haben die von China kontrollierten Behörden in Hongkong ein neues Zensurgesetz vorgestellt. Neuerscheinungen und auch ältere Filme werden geprüft. Handelsminister Edward Yau sagte: „Jeder Film, der öffentlich gezeigt wird, ob in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft, muss genehmigt werden.“ Es ist eine niederschmetternde Nachricht – nicht nur für die Hongkonger Filmschaffenden, sondern für Filmliebhaber weltweit. 

Die chinesische Zensur bedroht damit eine Filmindustrie, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts ein Team der Brüder Lumière in der damaligen britischen Kolonie erste Projektionen gezeigt hatte, entstand schon 1909 der erste Hongkonger Spielfilm. In der Folge entwickelte sich eine…