In den schwersten Spannungen seit rund 25 Jahren gehen China und Taiwan auf einen gefährlichen Konfrontationskurs. Unbeirrt wies Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen den Aufruf von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zurück, sich der kommunistischen Volksrepublik anzuschließen. Taiwan werde sich dem Druck aus Peking nicht beugen, sagte die Präsidentin bei einer Parade zu Nationalfeiertag in Taipeh. „Wir werden alles tun, um zu verhindern, dass der Status quo einseitig verändert wird.“

Peking warnt vor einem „bösen Ende“

Nach militärischen Provokationen im Luftraum nahe Taiwan hatte Chinas Präsident Xi Jinping am Vortag zur „Wiedervereinigung“ aufgerufen. Ein Anschluss mit „friedlichen Mitteln“ diene am besten den Interessen der ganzen chinesischen Nation, sagte Xi Jinping bei einer Feier in der Großen Halle des Volkes in Peking. Er warnte, dass eine Abspaltung Taiwans „ein böses Ende“ nehmen werde. „Die vollständige Wiedervereinigung unseres Landes wird und kann verwirklicht werden.“ 

Der Nationalfeiertag in Taiwan gerät auch zu einer Demonstration der militärischen Stärke

Anlass der Rede war der 110. Jahrestag der Revolution von 1911 in China. Damals wurde die Qing-Dynastie gestürzt und die Republik China gegründet. In dem folgenden Bürgerkrieg setzten sich aber die Kommunisten durch und die nationalchinesische Kuomintang-Partei flüchtete mit der Regierung nach Taiwan. Peking sieht die heute demokratische Insel nur als Teil der Volksrepublik an und droht mit einer gewaltsamen Eroberung. Der Jahrestag wird in Taiwan, das sich heute noch Republik China nennt, als Nationalfeiertag begangen.

Chinesische Armee gut ausgerüstet

Schien es bei früheren Präsidenten Chinas eher Lippenbekenntnisse zu sein, Taiwan ins chinesische Reich holen zu wollen, sieht es Xi Jinping als seine „historische Mission“ an, den Anschluss während seiner Herrschaft zu vollenden, wie Diplomaten in Peking sagen. „Wir können nur hoffen, dass er möglichst lange im Amt bleibt, damit…